Preisausschreiben (1)

Es gibt Mittelstandspreise, Medizinpreise, Innovationspreise. Dann gibt es natürlich noch Gründer- und Existenzgründerpreise. Und Preise für den besten Arbeitgeber, die beste Firmenchefin und Preise für umweltbewusstes Management. Und noch viel mehr. Als Journalist mag man es gar nicht mehr hören wenn das Telefon klingelt und eine PR-Agentur einen freundlich bittet, doch vielleicht diesen oder jenen Preis in der Zeitung anzupreisen, damit sich viele Firmen bewerben. (Und abgedruckt wird ohnehin kaum eine dieser Ankündigungen, weil dafür gar kein Platz ist.)

Und natürlich gibt es auch Journalistenpreise, bei denen Journalisten sich mit ihren vom Chefredakteur und, leider, auch von vielen Lesern total unterschätzten Glanzleistungen wenigstens um eine nachträgliche Würdigung bewerben können. Die gibt es von großen Firmen wie Versicherungen oder Energiekonzernen, aber auch von renommierten Journalistenschulen. Mal geht es darum, dem Leser Technik besonders gut verständlich gemacht zu haben oder für die Probleme der künftigen Altersvorsorge Aufmerksamkeit erzeugt zu haben, ein anderes Mal steht die Aufklärung über politische Missstände oder schlicht eine gute Reportage im Fokus der Jury.

Manchmal gibt es auch, nun ja, eher skurrile Auschreibungen - wie diese hier: “Journalistenpreis: Urologie für Laien”. Darin heißt es:

Die Berichterstattung über urologische Themen kann für Sie in den nächsten Monaten eine ganz besondere Herausforderung sein: Erstmals hat die unabhängige Fachzeitschrift “URO-NEWS” zum 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (ICC Berlin, 26. bis 29. September 2007) den “URO-NEWS-Journalistenpreis”, dotiert mit 5000 Euro, ausgelobt.

Prämiert wird ein herausragender Beitrag über ein urologisches Thema, der in der Tagespresse, in einer Zeitschrift oder in einem Wochenmagazin in dem Zeitraum vom 1. September 2006 bis 1. August 2007 veröffentlicht wurde. Dass dieser Text natürlich seriös, fachlich korrekt und für den Laien verständlich sein sollte, versteht sich von selbst.

Und, nein, es folgt jetzt keine moralische Argumentation darüber, dass es natürlich nicht in Ordnung ist von Journalisten, nur wegen eines ausgelobten Geldpreises das Thema in die Medien zu pushen, wie es die Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. hier ziemlich unverblümt versucht. Das versteht sich nämlich - hoffentlich - von selbst.

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