Über Journalisten

Was muss ein Journalist eigentlich können? Gut schreiben muss er, natürlich. Und flink recherchieren können. Schnell lesen, Fakten ordnen. Sich eine Meinung bilden und als Kommentar zu Papier bringen. Und… All das und noch viel mehr, ja, richtig. Aber das Wichtigste, was man als Journalist mitbringen muss, ist

Geduld.

Ja, viel Geduld. Wenn mal wieder der Email-Briefkasten mit Pressemitteilungen überquillt, bei denen kein Absender klar erkennbar ist und der Nachrichtentext sich auf “Pressemitteilung 172007” beschränkt, während dafür Dutzende vielbytige Anlagen hinten dran hängen. PDF öffnen, Word-Dokument aufmachen, warten, warten, lesen, schließen, löschen. So vergeht Minute um Minute. Vielleicht wäre es wirklich eine gute Idee, solche Mails einfach ungelesen in den Orkus zu befördern. Oder einen PR-Führerschein für Agenturen einzuführen. Eine Menge Leute würde da wohl durch den “Idiotentest” fallen…

Geduld braucht man auch, wenn dann wieder das Telefon klingelt. Und man gefragt wird, ob man zu der Pressemitteilung, die einem vor vier Tagen geschickt worden sei, noch Fragen habe. Die schüchterne Frage, um was es da gehe, wird eher irritiert zur Kenntnis genommen. Ja, in der Welt der PR-Agenturen bekommen wir vermutlich nur zwei bis drei Mitteilungen am Tag. Den Rest der Zeit langweilen wir uns.

Wird die Frage dann beantwortet fragt man sich, warum eine Brandenburger Regionalzeitung mit einer Information über etwas ganz tolles in Neubrandenburg versorgt werden soll. Verwunderung macht sich breit, wenn man der Dame in Hamburg erklärt, diese Stadt befinde sich, trotz der Namens-Similarität, gar nicht bei uns. Osten ist Osten, denkt man sich wohl in der PR-Hauptstadt der Republik. Geduldig muss man als Redakteur also auch sein, wenn man eine kleine Geographie-Nachhilfestunde gibt. Hat ja nicht jeder eine Landkarte. Oder Wikipedia.

Zum Schreiben, Recherchieren, Lesen, Kommentieren… zu all dem kommt man manchmal leider gar nicht wirklich. Und irgendwann, ja irgendwann ist die Geduld dann wohl aufgebraucht. Aber dann war man auch schon elf Stunden im Büro - und geht schnell nach Hause. Bevor wieder das Telefon klingelt und die Rufnummeranzeige ein “040…” anzeigt.

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