Pressestellen des Grauens (3)

Heute tröpfelte eine Pressemitteilung der S. GmbH in unser Redaktions-Postfach. S. , so viel vorweg, ist eine Agentur, die über sich selbst schreibt: “Wir schaffen Werte. Wir transportieren Werte. Für Ihren Erfolg.” Aus Bescheidenheit wurde aber darauf verzichtet zu ergänzen: “Und zeigen, wie man Pressemitteilungen nicht verschicken darf. Niemals. Nimmer.”

Die Pressemitteilung verzichtete auf einen Nachrichtentext und trug den schmucken Betreff “Mxxx Presseinformation”. Anhängend zwei Anlagen. Eine “.MSG”-Anlage und eine vier Megabyte große ZIP-Datei.

Öffnet man die MSG-Anlage kommt eine Bilddatei (Bitmap-Format) zum Vorschein, die den hübschen Briefkopf der Mxxx Maschinenbau GmbH & Co. KG trägt und den Leser so begrüßt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bitten Sie um einen Bericht in Ihrer Zeitung über unser Haus, unsere Produkte, unsere Märkte - also über die Leistungsfähigkeit, die gute Marktposition und die markante regionale Bedeutung der Mxxx in ihrer Heimat, im Allgäu.”

Die regionale Bedeutung der Mxxx im Allgäu kann ich nicht beurteilen, aber die “Märkische Allgemeine” mit ihrem Sitz in Brandenburg ist davon allerdings doch recht weit entfernt. So richtig überzeugen kann die Einleitung daher nicht. Aber es geht ja weiter…

Wir sind sicher, dass mit einer solchen Veröffentlichung mehrere wünschenswerte Effekte verbunden sein werden. Die gesteigerte überregionale Bekanntheit der Mxxx nutzt dem Unternehmen und motiviert unsere Mitarbeiter. Weiterhin wäre sie für das Allgäu als Sitz von unternehmerischer Wirtschaftskraft in Bayern informativ und dienlich. Letztlich - aber nicht unwichtig - könnten Sie Ihre Leser über allgemein weniger bekannte aber interessante Einrichtungen informieren, die auf dem neuesten Stand der Technik entwickelt und produziert werden.

Gut dass die Mxxx mich an meine Leser erinnert, die hätte ich bei dem vielen Allgäu fast ein wenig aus dem Blick verloren. Was die Mxxx macht, das weiß ich bis hierher nicht. Keine Ahnung, nicht mal einen funkelnden Schimmer habe ich. Wahrscheinlich kommt das in den folgenden eng beschriebenen Zeilen (wir erinnern uns: eine Grafik…), aber die mag ich nicht mehr lesen. Mein Blick schweift nur noch über das Ende:

Anbei überreichen wir Ihnen einen von uns vorformulierten Text für eine solche Veröffentlichung - sowohl zu Ihrer Vorinformation als auch (bei Gefallen und Nützlichkeit) direkt oder indirekt für Ihre Berichterstattung.

Damit ist wohl auch die Frage nach dem Inhalt der riesigen ZIP-Datei geklärt, die ich lieber nicht öffne. Unterschrieben vom “Leiter Marketing”, verschickt von der Agentur mit dem hübschen Motto “ihr Leben verdient Zeit”.

Mir haben sie die mit dieser Aussendung eher gestohlen.

Update 14. August 2007:

Ich habe eine böse Mail der Agentur S. bekommen, weil man nun mit dem eigenen Firmennamen so weit oben bei Google stehe. Und überhaupt sei die Pressemitteilung ja gar nicht für mich gedacht gewesen. Kann ich ja irgendwie schon verstehen, ist ja nicht gut fürs Geschäft - auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass man bei S.ns zu Hause jetzt weiß, wie man Pressemitteilung besser nicht verschickt. Eigentlich mag ich es ja nicht, wenn man mich mit dem Anwalt bedroht - vor allem allein deshalb, weil man sich selbst zuvor blöd angestellt hat. Aber bei dem Text hier ging es mir ja gar nicht um eine spezielle PR-Firma und ihren Kunden, sondern nur um die Sache an sich. Deshalb habe ich jetzt mal abgekürzt und ausge-x-t. Des lieben Frieden willens.

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