Nichtbloggende Kriegsveteranen

Passend zu meinem Beitrag Blogvorurteile von gestern Abend der nette Artikel von Thomas Knüwer über die Auseinandersetzung von Journalisten mit dem “Phänomen Blog”.

Und dann war da noch Hans Hoff. Freier Journalist und früher einer meiner Lieblingsautoren. Irgendwo hatte er schon mal eine Hasstirade auf Blogger geschrieben, in der er all die falschen Vorurteile zusammentrug ohne sich die Mühe der Recherche zu machen. Oder die Last des Nachdenkens. Diesen Mistkübel öffnete er nochmals. Blogger haben kein Leben, Blogger sind dumm, die schreiben nur über ihre eigenen Eier, die haben einen Geheimkodex, die lassen keinen rein - wir kennen all das seit Jahren. Begleitet wurde es vom hämischen Gelächter der älteren Redaktionsmitglieder aus dem Hause Rommerskirchen.

Das hatte etwas von den Kriegsveteranen, die sich lustig machen über die Alliierten. Es hatte etwas sehr, sehr trauriges. Alte Männer (und Frauen) klammern sich an letzte Hoffnungen auf die Wende, auf dass ihr Lebenswerk nicht umsonst gewesen sei.

Mein Problem mit Journalisten & Blogs ist einfach die fehlende Recherche. Wenn ich eine Geschichte über möglicherweise aussterbende Bienen schreiben muss, dann weiß ich darüber erstmal eher wenig. Deshalb spreche ich mit Leuten, die sich damit auskennen. Lasse mir Sachen erklären. Fahre mal raus zu einem Imker. Halt all das, was man gemeinhin so unter “Recherche” versteht.

Offenbar glauben Journalisten, dass wenn sie über etwas sprechen, was sie und ihren eigenen Berufsstand betrifft, sie bereits alles wissen und sich jede weitere Beschäftigung mit dem Thema von vornherein verbietet. Vielleicht ist’s ja ganz getreu dem alten Motto: “Ich recherchier mir doch nicht meine gute Geschichte kaputt.”

Aber vielleicht ist es auch nur Faulheit.

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