Wortterrorismus

Heutzutage muss man ja aufpassen, was man so schreibt bzw. was an[tags]dere möglicherweise so von einem abschreiben. Beziehungsweise wie man etwas schreibt, was andere möglicherweise von einem abschreiben. Das kann alles ein Hinweis auf terroristische Aktivität sein, wie etwa die “taz” über ein unter Terrorverdacht inhaftiertes mögliches Mitglied der mutmaßlichen “militanten gruppe” schreibt:

Zur Begründung heißt es, eine von H. “veröffentlichte wissenschaftliche Abhandlung enthält Schlagwörter und Phrasen, die in Texten der ‘militanten gruppe’ ebenfalls verwendet werden. Die Häufigkeit der Übereinstimmung ist auffallend und nicht durch thematische Überschneidungen erklärlich.” (…)

Doch nicht nur Andrej H. wird die Forschung zu Gentrification von den Karlsruher Ermittlungsbehörden zur Last gelegt. “Als promovierter Politologe”, heißt es über einen weiteren Beschuldigten, sei dieser “intellektuell in der Lage, die anspruchsvollen Texte der ‘militanten gruppe mg’ zu verfassen”. Zudem stünden “ihm als Mitarbeiter eines Forschungszentrums Bibliotheken zur Verfügung, die er unauffällig nutzen kann, um die zur Erstellung der militanten gruppe erforderlichen Recherchen durchzuführen”.

Puh, gut dass ich im Moment keinen Bibliotheksausweis mehr besitze. Aber da hängt doch in der Nähe des Arminplatzes bei mir um die Ecke dieses Flug(sic!)blatt an der Wand. Also ich meine, ich hätte mir da nie was dabei gedacht, aber nach solchen Berichten?

Wortterrorismus

Uiuiui, da geht’s auch um Verdrängung, Aufwertung von Vierteln etc. Weiß mein Kontaktbereichsbeamter schon davon? Körting? Schäuble? Ist es schon Unterstützung einer möglichen terroristischen Vereinigung, wenn ich diese Schrift lese? Ich meine, man weiß ja nie, wer am Ende hinter zunächst plausibel klingenden Gedanken steckt. Sollte ich mich lieber selbst anzeigen oder abwarten, was passiert?

Das Leben in Zeiten permanenter Bedrohung von allen Seiten ist verdammt kompliziert geworden.

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