Expertenmeinung

Online-Durchsuchung könnte ein Kandidat für das “Wort des Jahres” werden, vielleicht auch für das “Unwort”. Das größte Problem an der Debatte: Weder die Politiker, die ja teilweise stolz darauf sind, das Internet von anderen für sich bedienen zu lassen, noch viele mit dem Thema befasste Journalisten, wissen auch nur ansatzweise, worüber sie da sprechen.

Wie schlimm es wirklich ist, schreibt das Lawblog unter Berufung auf einen Heise-Artikel:

Bei einem der ersten Versuche einer Online-Durchsuchung sollen die Fahnder dem Verdächtigen eine CD in den Briefkasten geworfen haben, “die aussah wie die Zugangssoftware eines großen Internet-Providers”. Das berichtet heise online. Installiert habe der Verdächtige die Software aber nicht.

Für alle Mitlesenden, die sich das Internet bedienen lassen und dieses hier als Papierausdruck lesen: Das ist ungefähr so, als ob sie statt einen Verdächtigen zu beschatten demjenigen einen Anhörungsbogen für eine angebliche Geschwindigkeitsübertretung zusenden, um herauszufinden, ob er zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort war. Aber es ist billig und man kann das Ergebnis schön in einem Aktenordner abheften.

Aber um auf meine Eingangsbemerkung zurückzukommen: Niemand würde es in einer Redaktionssitzung wagen, mit einem gesunden Achtelwissen extrem überzeugend über die neuesten Feuilleton-Debatten zu monologisieren. Er würde von den wahren Experten sofort ungespitzt in den Boden gerammt. Sobald es aber um Internet und Computer geht, reicht es schon mal den Windows-Taschenrechner gefunden zu haben und einen zu kennen, der einem erzählt hat, das man jetzt auch Videos im Internet anschauen könne.

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag