Mügeln

Worum es in Mügeln eigentlich geht, lässt sich in einigen wenigen Sätzen zusammenfassen. Zum Beispiel in diesem Absatz aus der heutigen “taz”:

Der Mügelner Bürgermeister Gotthard Deuse relativierte die rechtsextremistischen Sprechchöre in seiner Stadt und löste damit Empörung aus. Auf die “Ausländer raus!”-Rufe während der Hetzjagd angesprochen, sagte Deuse der Financial Times Deutschland: “Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.” Gegenüber AP erklärte Deuse erneut, in seiner Stadt gebe es keinen Rechtsextremismus.

Ein Mensch der glaubt, man könne schon mal in einer Meute von Menschen eine Gruppe anderer, ausländisch aussehender Menschen jagen und dabei auch Worte wie “Ausländer raus!” rufen kann schlicht nicht die Probleme lösen. Er ist das Problem. Oder zumindest ein Teil davon.

Und dann ist ja noch die Sprecherin der Polizeidirektion Westsachsen, Ilka Peter, die in der “Märkischen Allgemeinen” zitiert wird:

Fragt man sie, warum die Inder am Sonntagmorgen neun Stunden lang auf dem Polizeirevier in Oschatz auf ihr Verhör warten mussten, bevor sie endlich im Krankenhaus ärztlich versorgt wurden, sagt sie: “Die hätten jederzeit gehen können. Die waren da zu ihrem eigenen Schutz.”

Nur zur Erklärung: Es geht hier um die Opfer eines Verbrechens, die sicherlich unter Schock standen. Die verletzt waren. Die Angst hatten. Und der Polizei fällt nix anderes ein als ein “die hätten jederzeit gehen können”. Die. Und gehen hätten sie können. Von helfen ist bei der Polizei, in Sachsen, für ausländisch aussehende Menschen, offenbar kein Platz. Steht nicht in der Dienstvorschrift. Oder so. Aber vielleicht können einem ja mal solche Worte über die Lippen kommen, wie Frau Peter.

Und dann steht am Ende des MAZ-Textes noch dieser Absatz:

Und plötzlich versteht man, warum der Pizzeriabetreiber Kulvir Singh seit dem Vorfall kaum noch schlafen kann. Warum er sich jetzt nicht mehr sicher ist, ob er seine indische Frau nach Mügeln holen soll, um eine Familie zu gründen. Kulvir Singh sagt es nicht gerne, aber am Ende muss es doch heraus: “Unter den Menschen, die die Schlägerei im Zelt angezettelt haben, sind auch einige meiner Stammkunden gewesen.”

Man will sich gar nicht vorstellen, was Bürgermeister Gotthard Deuse darauf wohl entgegnen würde.

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