Lebenszeitverlust

Die “Welt” hat einen Artikel online, der die Segnungen der modernen Welt kritisch hinterfragt und beklagt, dass wir als Beschäftigte von Unternehmen - nicht als Individuen, darum geht es nicht - immer mehr Zeit dadurch verschwenden, dass wir alles gleichzeitig machen (müssen).

In Ruhe eine Stunde nur an einem Thema zu arbeiten ist so fast ausgeschlossen.

Eine Stunde? Eine(!) Stunde(!)??? Okay, das Klischee, dass Journalisten einen stressigen Job haben, scheint zu stimmen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Viertelstunde ohne Anruf, einen Kollegen im Büro, Mail-Pling oder den notwendigen Blick auf den Agenturticker zu verbringen, tendiert bei mir eigentlich gegen Null. Und die These

Allein mit überflüssigen E-Mails verplempern Manager dreieinhalb Jahre ihres Lebens, wollen Wissenschaftler des Henley Management College im englischen Oxfordshire herausgefunden haben.

kann eigentlich auch nur auf Manager zutreffen, denen die Sekretärin bereits den gröbsten Schmutz aus der Inbox fischt. Gefühlt verplempern Journalisten pro Jahr dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit überflüssiger Email. Und vor allem mit den Anklicken überflüssiger Attachements. Auch wenn das rechnerisch unmöglich zu sein scheint, geschickte PR-Agenturen haben das offensichtlich doch möglich gemacht. Das Loch im Raum-Zeit-Kontinuum.

Und, hey, bei der “Welt”-Umfrage neben den Text bekommen derzeit nur neun Prozent der Leute mehr als 100 Emails am Tag. aber 55 Prozent bis 20 Mails. Und worüber klagen die dann?

Aber man liest sowas immer wieder gerne. Man fühlt sich nicht so alleine. Und denkt gar nicht darüber nach, wie viel Lebenszeit man mit dem Beklagen von Lebenszeitverlust verliert. Darüber schreibt mal wieder keiner. Typisch Journalisten, eben.

via: imgriff

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