andreas streim

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Lebenszeitverlust

Die „Welt“ hat einen Artikel online, der die Segnungen der modernen Welt kritisch hinterfragt und beklagt, dass wir als Beschäftigte von Unternehmen – nicht als Individuen, darum geht es nicht – immer mehr Zeit dadurch verschwenden, dass wir alles gleichzeitig machen (müssen).

In Ruhe eine Stunde nur an einem Thema zu arbeiten ist so fast ausgeschlossen.

Eine Stunde? Eine(!) Stunde(!)??? Okay, das Klischee, dass Journalisten einen stressigen Job haben, scheint zu stimmen. Die Wahrscheinlichkeit, eine Viertelstunde ohne Anruf, einen Kollegen im Büro, Mail-Pling oder den notwendigen Blick auf den Agenturticker zu verbringen, tendiert bei mir eigentlich gegen Null. Und die These

Allein mit überflüssigen E-Mails verplempern Manager dreieinhalb Jahre ihres Lebens, wollen Wissenschaftler des Henley Management College im englischen Oxfordshire herausgefunden haben.

kann eigentlich auch nur auf Manager zutreffen, denen die Sekretärin bereits den gröbsten Schmutz aus der Inbox fischt. Gefühlt verplempern Journalisten pro Jahr dreieinhalb Jahre ihres Lebens mit überflüssiger Email. Und vor allem mit den Anklicken überflüssiger Attachements. Auch wenn das rechnerisch unmöglich zu sein scheint, geschickte PR-Agenturen haben das offensichtlich doch möglich gemacht. Das Loch im Raum-Zeit-Kontinuum.

Und, hey, bei der „Welt“-Umfrage neben den Text bekommen derzeit nur neun Prozent der Leute mehr als 100 Emails am Tag. aber 55 Prozent bis 20 Mails. Und worüber klagen die dann?

Aber man liest sowas immer wieder gerne. Man fühlt sich nicht so alleine. Und denkt gar nicht darüber nach, wie viel Lebenszeit man mit dem Beklagen von Lebenszeitverlust verliert. Darüber schreibt mal wieder keiner. Typisch Journalisten, eben.

via: imgriff

[tags]Bürostress, Lebenszeit, Multitasking, Ablenkung[/tags]

2 Kommentare

  1. Hat eigentlich mal einer darüber nachgedacht, dass die Mehrzahl der Sekretärinnen den Chefs nicht die überflüssigen Mails abfischt, sondern den ganzen Schrott nach wie vor ausgedruckt (!!!) per Unterschriftsmappe vorlegt? Hä? Ja, das gibt es. Und warum? Weil es bisher noch niemanden gegeben hat, der für den Umgang mit der E-Mail-Post praktikable Abläufe vorgeschöagen hat. Nur einmal am Tag nachgucken – so, wie am Wochenende am Briefkasten? Klar – und am nächsten Tg platzt die Festplatte und die Birne gleich mit. Oder immer gleich löschen und beantworten? Das geht vierzehn Tage gut. Aber nicht in Hochzeiten wie April, Mai, Juni oder Oktober, November, Dezember. Vorschlag: Wenn doch das ganze „zur Kenntnis“-Geschicke aufhören würde, wäre schon ein Viertel des ganzen Schrotts weg. OHNE, dass es jemand merken würde. Der Grund: Entweder man soll etwas tun oder eben nicht. „Zur Kenntnis“ – das ist Absicherung, Feigenblatt, Feigheit, Verantwortungslosigkeit, Faulheit, Unüberlegtheit … Gote

  2. Emailprogramme ohne CC:-Funktion? Wäre doch eine Idee. Oder aber man filterst sich die Mails, die man nur CC erhält einfach automatisch raus.

    Aber bei mir sind es eher die Mails, die an große Verteiler gehen – Pressemitteilungen und so. Und das Problem: Unter ein paar hundert Schrottmails versteckt sich eben doch immer wieder eine Perle.

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