andreas streim

buchstaben, wörter, sätze & mehr

Datum: 29. August 2007

Paint it black

Wer noch einen alten Röhrenmonitor hat, der kann jetzt Strom sparen und die Umwelt retten – indem er nicht mehr Google benutzt, sondern auf Blackle umsteigt. ZDnet hat nämlich herausgefunden, dass ein weißer Hintergrund mehr Strom verbraucht als ein schwarzer – und Google ist eben sehr hell und Blackle sehr dunkel.

Blackle

Allerdings kommen die Tester auch zu dem Ergebnis, dass man noch Besseres tun könnte. Etwa einen LCD-Monitor kaufen.

The bottom line is that if you want to save the planet, there are far better ways to do it that shifting your searches to Blackle. (…) If you’re running a CRT and are interested in doing your bit to save the planet then one of the best things that you could do is bin the CRT and replace it with an LCD panel.

[tags]Umweltschutz, Blackle, Google[/tags]

Der chinesische Weg

Vielleicht sollte sich Innenminister Wolfgang Schäuble statt seiner Öffnen-Sie-Bitte-Diese-Mail-Strategie ein Beispiel bei den Chinesen nehmen (die ja auch die besseren Trojaner programmieren. Denn dort will die Polizei böse Jungs im Internet auf viel einfachere (und wohl auch billigere & funktionierende) Weise stoppen, wie „Telepolis“ berichtet:

Mit Cartoon-Polizisten, die immer mal wieder beim Surfen über den Bildschirm wandern, will die chinesische Polizei die Internetnutzer daran erinnern, dass ihr Verhalten beobachtet wird. Um Internetbenutzer von Online-Aktivitäten oder -Inhalten abzuschrecken, die der chinesischen Regierung unliebsam sind, [extern] werden ab 1. September virtuelle Polizisten in Form von Comicfiguren durch das gesamte chinesische Web auf Patrouille gehen oder zumindest so tun.

Bundestrojaner via Behördenemail auf Privat-PCs oder nette Comic-Zeichnungen auf dem Desktop? Hmmm… da verwischen die Grenzen von Demokratie und Diktadingens und Meinungsfreiheit undsoweiter. Und nett aussehen tun die Comicpolizisten auch noch:

Polizist

[tags]Bundestronjaner, Schäuble, China, Comicpolizei[/tags]

Sie haben gewonnen!

Aha, da hat das Bundesinnenministerium als mal ein paar Infos über den so genannten „Bundestrojaner“, der amtlich abgekürzt jetzt RFS heißt, verbreitet an andere Ministerien mitgeteilt. Was diese Dinge, die leider noch nicht fertig entwickelt sind, alles können sollen… Respekt. Nicht nur PCs ausforschen, auch Handys, PDA und vielleicht auch die Digitalkamera.

Man fragt sich zwar, ob es gelingen wird, neben Windows-PCs auch wirklich funktionierende Mac- und gar Linux-Software zu entwickeln, aber, na gut, warum sollen die Programmierer im Bundesinnenministerium weniger versprechen als die Jungs von Microsoft, die ja auch immer das tollste Windows aller Zeiten mit den tollsten Funktionen aller Zeiten ankündigen. Was man glaubt, bis die Software im Regal steht. Und wenn Bill Gates das immer geglaubt hat, warum sollte dann ausgerechnet Schäuble… eben.

Aber sollten die findigen Jungs im Regierungsbunker in Schäubles Softwareschmiede wirklich ein Programm entwickelt haben, das die Barrieren verschiedener Betriebssysteme sprengen kann, dann empfehle ich wirklich eine Ausgründung. Ein nettes kleines Startup, das diese Dienste auf dem freien Markt anbietet, hätte echte Chancen, den Bundeshaushalt zu sanieren. Man stelle sich nur vor: Microsoft 2.0 in Staatsbesitz, die Volksaktie der Deutschen Bahn wäre ein Dreck dagegen.

Aber am schönsten fand ich den Hinweis über den (bzw. einen) geplanten Verbreitungsweg der Schadsoftware, wie etwa die „taz“ schreibt:

Die Polizei soll Schnüffelsoftware künftig per elektronischer Amtspost verschicken dürfen. Das legen interne Papiere des Innenministeriums nahe. „In begründeten Ausnahmefällen“, so schreibt das Bundesinnenministerium (BMI) von Wolfgang Schäuble (CDU), könne der sogenannte Bundestrojaner auch als getarnte Behörden-E-Mail an Verdächtige verschickt werden.

Man darf sich also auf Mails vom Finanzamt mit dem Titel „Sie haben gewonnen!“ freuen, in denen einem, nach einem kurzen Klick auf den Anhang, eine saftige Steuernachzahlung versprochen wird.

Oder „Dino Mcgowan“ aus dem Bundesfinanzministerium teilt einem mit einem schnoddrigen „Hallo mein Freund“ mit, dass man in seinem Haus, psssst!, ein nicht mehr genutztes Konto der Nazis gefunden habe und nur er könne einem den millionenschweren Inhalt zuschustern. Ein Klick auf den Anhang…

Ach, und da sind natürlich die Mails von Ulla Schmidt aus dem Gesundheitsministerium persönlich. „All girls love big guys“ schreibt sie und bietet, ganz an der Krankenkasse vorbei, total günstige blaue Pillen für das bessere Sexualleben an. Die genauen Details, man ahnt es schon, stecken dann im Anhang.

Oder vielleicht der direkteste und zielgruppengenaueste Weg: Die Mail vom BKA selbst. Betreff: „Abschiebung“. Inhalt: Der Empfänger der Mail sei per Gerichtsbeschluss zur Abschiebung vorgesehen. Aktenzeichen etc. inklusive. Widerspruch, falls es sich um ein Versehen handeln sollte, nur mit einem Klick auf den Dateianhang, nicht schriftlich, möglich. Dateiname: Wiederspruhch.pdf.exe. Was sonst?

[tags]Bundestrojaner, Überwachungsstaat, Schäuble[/tags]

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