Lob dem Trojaner

Keine Frage, von den Plänen von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble für seinen Bundestrojaner halte ich nix. Bisher zumindest. Aber wenn man sich manche Äußerungen in der Trojaner-Debatte so anhört, dann frage ich mich schon: Hat er nicht vielleicht sogar etwas Gutes?

So wird der Bundesatenschutzbeauftragte Peter Schaar - den man ansonsten wegen seines Einsatzes für die Privatsphäre der Bürger nur in den höchsten Tönen loben kann - in der heutigen “taz” mit den Worten zitiert:

Wer einen elektronischen Brief vom Jugendamt oder Finanzamt bekomme, müsse sicher sein können, dass das Schreiben auch von diesen Ämtern stammt und nicht etwa vom BKA.

Und das ist, vorsichtig gesagt, nun mal großer Schwachsinn. Niemand sollte “sicher sein” (können/dürfen/müssen), dass eine Email von dem kommt, der als Absender aufgeführt ist. Dazu bedarf es keines BKAs, das ist auch heute schon so. Nur weil es Leute gibt, die einem Glauben machen wollen, dass der Bundestrojaner die erste und einzige Unsicherheit ins Leben des Online-Bürgers bringt, ist das ja nicht so. Schon heute sollte sich jeder bei jeder Mail fragen: Häh? Ist die wirklich vom Finanzamt? Und was hängt da eigentlich für ein Anhang dran? Sollte ich den wirklich anklicken?

Oder anders gesagt: Herr Schaar sollte lieber den Leuten klar machen, die Plausibilität von Mails zu hinterfragen, bevor sie diese als echt ansehen. Weil das zu viele Leute nicht tun, können böse Menschen sich als Postbank, Sparkasse oder sonstwas ausgeben - und Pin-Codes abfischen. Und bald dann eben vielleicht auch Bundestrojaner installieren.

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag