Alles nur Meinung

Eben habe ich noch online gelesen, wie sich Thomas Knüwer darüber freut, dass der Fachjournalisten-Verband (den ich wegen seiner penetranten Werbung bislang eher doof fand) sich recht ausgewogen zu Blogs äußert, da stoße ich offline in der neuen Ausgabe des “Manager-Magazins” auf ein Interview mit Hubert Burda, in dem das Thema auch vorkommt. Und dabei ist Burda erstaunlich Blog-afin, während Redakteur Klaus Boldt in seiner Frage… aber lesen wir selbst:

Burda: (…) Nicht nur die Medien selbst folgen neuen Regeln, auch ihr Konsum tut das. Schon heute haben wir es im Netz mit Communities zu tun und nicht mehr mit Zielgruppen. Eine Zielgruppe ist etwas Soziologisch-Statisches, eine Community aber entsteht aus einer Bewegung, indem sich zunächst vielleicht nur 50 oder 80 Menschen vernetzen, sich untereinander abstimmen. Blogger zum Beispiel bilden solche Communities um sich und erschaffen eine neue Form der Öffentlichkeit.

Das ist eine sehr sachliche, zutreffende Beschreibung des Zustandes. Von einem Mann, der einer Generation angehört, die nicht mit dem Internet aufgewachsen ist, der sich aber offenbar trotzdem - oder vielleicht auch gerade deswegen - mit dem Thema beschäftigt hat.

Und dann kommt die Frage des “Manager-Magazins”. Aber, was sage ich, Frage? Die Hinrichtung. Die Einordnung, was ein Blog denn wirklich ist, nämlich nicht Community, sondern Geschnatter und Gesabbel.

“Manager-Magazin”: In Blogs werden nur Meinungen ausgetauscht. Niemand käme auf die Idee, das jahrtausendalte Marktplatzgeschnatter oder das Handygesabbel eines Wochenendes, das man ebenfalls digitalisieren, sortieren und im Netz platzieren könnte, der Menschheit als neue Kulturleistung unterzujubeln.

Mal abgesehen von dem Geifer, den man fast noch triefen sehen kann, ist es leider, leider auch schlicht falsch. Es gibt eine Menge Blogs, die sicher nicht viel mehr als - noch dazu belanglose - Meinung enthalten. Geschenkt. Nur werden in Blogs längst mehr als reine Meinungen ausgetauscht. Etwa in Blogs aus und über Birma, wo Berichte über die Ereignisse dort gesammelt werden, die sonst niemand mehr aufschreiben kann. Oder es gibt auch sehr, sehr viele monothematische Fach-Blogs, die oft mit mehr Informationen über bestimmte Produkte aufwarten, als die gängigen Fachzeitschriften am Kiosk. Und selbst Meinung allein kann ja manchmal ganz erhellend sein. Hoffen wir als Journalisten ja zumindest, wenn wir mal wieder eine Kommentarspalte gefüllt haben.

Hubert Burda antwortet darauf ganz gelassen. Und ich meine ihn nachsichtig mit seinem Kopf schütteln zu sehen:

Burda: Man mag dies beklagen oder nicht: Der Prozess ist unumkehrbar. (…) Ich betrachte es durchaus als ein Privileg, in dieser aufregenden Zeit Verleger sein und das Mediengeschäft vorantreiben zu können. Ich will nicht, dass man eines Tages über mich sagt: Der Burda hat’s verschlafen.

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