Stromausfall

Es sind manchmal diese kleinen Momente wo man sich denkt: Ja, genau, deshalb geht’s mit dem Aufschwung schon bald wieder zu Ende. Deshalb kann das alles nichts werden.

Gestern Abend zum Beispiel. Mitten im “Tatort” (dazu hier mehr) macht’s “Pffffft” und alles geht aus. Fernseher, Licht. Dunkelheit. Nur das Teelicht brennt noch. Im Hinterhaus: Alles hell. Mal in den Flur geschaut: Auch hier, das Licht brennt. Hmmm… Im Sicherungskasten sieht aber alles gut aus. Nochmal auf den Flur. Auch andere Türen gehen auf. Offenbar ist in allen Wohnungen der Strom weg.

Jemand kommt von unten hoch. Es sei schon jemand im Keller beim Stromkasten und repariere dort. In einer Wohnung war wohl seit Stunden Stromausfall - und jetzt ist der Elektriker da und repariert. Und dazu hätte er wohl mal kurz alle Wohnungen stilllegen müssen.

Ich schau mal im Keller nach. Da steht einer und sieht ganz zufrieden aus. “Jetzt müsste wieder alles gehen”, sagt er. Ich meine, es wäre vielleicht eine Super-Idee gewesen, mal kurz im Haus Bescheid zu sagen, dass er jetzt den Strom abschaltet. So manche elektronische Geräte mögen das nämlich gar nicht, mal ganz abgesehen vom nicht gespeicherten Text im PC etc. pp. Sagt der “Elektriker”: “Ich renn’ doch nicht durchs ganze Haus.” Ach so, klar, nö. Würde ja auch bestimmt, hmmm, vier Etagen mal drei Wohnungen, geschätzte fünf Minuten dauern. Das kann man echt nicht erwarten.

Und dann sagt diese Pfeife der Fachmann auch noch: “Und außerdem bin ich extra 40 Kilometer gefahren, damit sie hier wieder Strom haben.” Ach so, ja, klar. Ich vermute auch mal, das wird niemand bezahlen. Das macht er so als Hobby. Oder vielleicht ist’s doch der Job? Soll ich, wenn mich ein Leser anruft und auf einen gravierenden Fehler im Artikel hinweist, demnächst auch antworten: “Na und, dafür bin ich aber extra 40 Kilometer in die Arbeit gefahren und komme sogar sonntags, damit am Montag auch eine Zeitung gedruckt wird?”

Und vermutlich ist dieser Elektriker auch einer von denen, die dauernd jammern, wie schlecht das Geschäft läuft, wie teuer alles wird, der Benzinpreis und so, wie undankbar die Kundschaft ist. Etc. pp. Anstatt vielleicht mal den Gedanken zu haben: Vielleicht vergesse ich zu oft, dass ich Dienstleister bin? Vielleicht mache ich meinen Job nicht gut genug?

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