Not so Kindle

Amazon hat in den USA seinen E-Book-Reader Kindle vorgestellt. Die Idee: Ein leichtes, kleines Gerät zum immer dabei haben, dass kein normales Display benutzt, sondern E-Ink. Dadurch soll weniger Strom verbraucht werden und vor allem ein klares Schriftbild auch bei schlechten Lichtbedingungen erreicht werden - wodurch die Augen nicht wie bei Bildschirmarbeit ermüden (sollen).

Die Marktmacht von Amazon, wo Ebooks von Beststellern für den Kindle in den USA deutlich billiger zu haben sind als die Papiervariante, könnte dem Gerät durchaus helfen, auch wenn die Anschaffung (noch) mit 399 Dollar zu Buche schlägt.

Nett in den USA (wobei ich nicht weiß, wie das hierzulande gehen würde): Das Gerät klinkt sich auf Wunsch ohne jedes Nutzerzutun in das Mobilfunknetz ein und kann darüber neue Bücher quasi “magisch” ohne jeden Vertrag oder Wlan-Fummelei runterladen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Thomas Knüwer vom Handelsblatt hat das Kindle bereits gnadenlos verrissen:

“Die Zukunft des Lesens” soll es verkörpern, glauben wir der “Business Week”, was nur beweist, wie weit manche Journalisten gehen, wenn sie eine Exklusiv-Geschichte bekommen. Denn schon ein Blick auf das schmucklose Teil zeigt, dass es niemals eine Chance im Markt haben wird.

Nun ja, der Commodore C64 war auch als “Brotkiste” verschrien - er war nicht ganz unerfolgreich, eine zeitlang. Bis etwas besseres kam. Und selbst das nächste Gegen-Kindle-Argument passt in diesen Vergleich:

Jeder Versuch, E-Books zu etablieren, ist bisher gescheitert. Vorhersehbar gescheitert, möchte ich ergänzen. Denn Bücher sind ein langsames Medium. Ich brauche nicht von jetzt auf gleich den Lesestoff.

Damals hat man auch gesagt, kein Mensch braucht einen Computer zu Hause. Und, klar, kein Mensch braucht “Video on demand”. Entweder man schaut das, was im Fernsehen kommt, oder man hat rechtzeitig geplant, in eine Videothek zu gehen. Für manche mag das ja gelten - für andere (und die Frage ist: viele andere?) - nicht.

Warum sollte man denn ein Buch nicht auf diese elektronische Weise lesen, wenn man es danach sowieso nur ins Regal stellt und nie wieder anfasst? Das gilt nicht für alle Bücher, nicht für solche, die man gerne immer wieder anfassen will. Aber für die Dutzendware, deren Existenz man nach sechs Monaten schon wieder vergessen hat? Warum nicht.

Für uns Journalisten interessant:

In dem Kindle-Werbevideo von Amazon wird auch gezeigt, wie der Kindle-Besitzer sein Gerät so einstellt, dass es morgens ohne sein Zutun die New-York-Times empfängt. Morgens beim Kaffee sind die Texte dann einfach auf dem Gerät.

Denn das ist ein Unterschied zu all den anderen Lösungen, wie etwa die Sachen mit dem iPod-Touch zu lesen, wie Thomas Knüwer empfiehlt: Es - man muss sagen: scheint, wir haben es ja noch nicht in der Hand gehabt - ist simpel. Es funktioniert wie der Zeitungszusteller am Morgen, einfach so, ohne Klicks und Klacks und Wartezeiten beim Seitenaufbau.

James Kendrick von jkOnTheRun hat ein kleines Video mit seiner ersten Zeit mit dem Kindle gemacht:

Sein größter Kritikpunkt: Die Anordnung der Tasten. Aber das lässt sich ja eigentlich in der nächsten oder übernächsten Version des Geräts leicht ändern.

Im Moment, so heißt es auf der Amazon-Seite, ist das Gerät übrigens - ausverkauft. Wegen der großen Nachfrage. So viel zum hässlichen Design (aber wir wissen ja auch nicht, wie viele Geräte sie überhaupt hergestellt haben…)

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag