Qualitätsjournalismus (3)

Auf der Fahrt zur Arbeit höre ich immer RBB-Inforadio. Ausführliche Nachrichten - und in den etwa 40 Minuten bis zur Arbeit ist man schon ganz gut auf dem Stand und manchmal sogar etwas hintergründig informiert.

Am Mittwochmorgen ging es da um den Postmindestlohn und die angekündigten Entlassungen bei der Pin Group AG. Da wurde ein Interview mit einem Arbeitsmarktexperten avisiert, zur Frage des Für und Widers eines Mindestlohns. Ist ja eigentlich auch eine interessante Sache.

Aber - was kam dann: Ein Interview mit Holger Schäfer. Der ist zwar tatsächlich Arbeitsmarktexperte - aber nicht als Wissenschaftler bei irgendeinem Forschungsinstitut, sondern beim unternehmernahen Institut der deutschen Wirtschaft, das von BDI und BDA getragen wird. Entsprechend wenig überraschend fallen seine Antworten (auf die eher freundlichen und harmlosen NachAbfragen) aus.

Man kann ja so ein ausführliches Interview führen, dagegen spricht nichts (wir machen sowas ja auch). Aber man sollte dem Leser bzw. dem Hörer schon erklären, mit wem man da spricht. “Arbeitsmarktexperte” führt da, gelinde gesagt, in die Irre.

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