Axa, alaaf!

Versicherungen sind bekanntermaßen Vertrauenssache. So wirbt die Axa mit dem netten Slogan: “Für Vertrauen im Leben”. Das ist zwar nicht besonders originell, aber vielleicht hätte ihnen jemand sagen sollen: Ein klein bisschen Kompetenz schadet im (Geschäfts)Leben auch nicht.

Denn was passiert, wenn man fristgemäß zum 30. November seine Autoversicherung bei der Axa kündigt? Na klar, man bekommt wie gewünscht vom Konzern einen Formbrief, in dem einem die Kündigung bestätigt und das Bedauern darüber ausgedrückt wird. Hier könnte die Geschichte nun zu Ende sein.

Doch kurz darauf kommt ein weiterer Brief von Axa. Ein Beitragsrechnung für den Zeitraum 1.1.2008 bis 31.12.2008, über schlappe 1385,49 Euro. Ja, die Leute bei Axa können irgendwie nicht nur Kündigungen nicht ordentlich in den Computer eingeben, sie sind auch noch sauteuer sie können preislich auch nicht mit den Wettbewerbern mithalten.

Ein Anruf im Axa-Callcenter fördert eine entnervte Mitarbeiterin zu Tage: Ja, es gebe da ein Problem im Computersystem, ein Wurm, es hätte heute schon viele Anrufer gegeben und nein, natürlich werde nichts abgebucht, das gehe alles in Ordnung.

Wieder eine Weile später kommt am 28. Dezember dann noch ein Brief von der Axa, in dem der Beitragseinzug storniert wird und als Endsumme “0,00 Euro” steht. Und der schöne Satz: “Wir bedauern, dass wir Sie nicht nachhaltig von unseren Leistungen überzeugen konnten und hoffen, Ihr Vertrauen zu einem späteren Zeitpunkt zurückzugewinnen.” Damit könnte jetzt die Geschichte aber wirklich zu Ende sein. Könnte. Aber nicht bei der Axa.

Denn am 2. Januar stellt man mit einem Blick auf sein Konto fest, dass die Axa 1385,49 Euro abgebucht hat. Und die neue Autoversicherung natürlich auch, wenn auch - siehe oben - einen deutlich niedrigeren Betrag. Damit ist das Konto aber auch mal eben satt ins Minus gerutscht.

Ein Anruf im Axa-Callcenter führt nicht etwa zu einer überschwänglichen Entschuldigung, sondern zur lapidaren Feststellung, dass das Geld sicher nicht vor Montag zurück gebucht werden könne. So schnell geht das nicht. Der Computer - den kann man bei der Axa in Köln ja nicht so gut bedienen, wie wir wissen.

Gut, dann wird die Lastschrift eben über die eigene Bank zurück gebucht, ist eh der bessere Weg, das kostet die Dilettanten den Versicherer wenigstens noch fünf Euro Gebühr.

Aber man fragt sich natürlich schon: Hat die US-Finanzkrise vielleicht die Axa so arg gebeutelt, dass sie dringend Bargeld braucht und bei ihren Ex-Kunden mal schnell das Konto plündert? So ein paar Tage ein paar Millionen auf dem Tagesgeldkonto, hey, das wäre doch was. Weil man mag ja gar nicht glauben, dass es tatsächlich nur Dummheit, Gedankenlosigkeit und technisches Unvermögen ist, was in einem solchen Konzern mit nach eigenen Angaben immerhin fast 8500 leistungsbereiten und motivierten Mitarbeitern zu einem solchen Verhalten führt.

Und man fragt sich natürlich, warum sich ein Servicemitarbeiter, leistungsbereit und motiviert, wir erinnern uns, nicht wenigstens für die Fehler des eigenen Unternehmens beim Ex-Kunden am Telefon entschuldigt.

Und man fragt sich, wer eigentlich die Sollzinsen der eigenen Bank übernimmt.

Aber am meisten fragt man sich, was eine solche Versicherung wohl mit einem anstellt, wenn man sie mal wirklich bräuchte. Also nicht nur zum Geldeinkassieren, sondern im Fall der Fälle. Wenn es einen Autounfall gegeben hat. Oder wenn man, bei der Krankenversicherung, mal krank wird. Oder wenn, bei der Hausratversicherung, es mal gebrannt haben sollte.

Und, ganz ehrlich, würde irgendwer einer Firma, die nicht mal eine Kündigung verbuchen kann und weiß, dass nach einer solchen eine Einzugsermächtigung natürlich erloschen ist, sein Geld in Form von Bausparen, Vermögenswirksamen Leistungen oder gar einem Vermögensmanagement anvertrauen? Eben.

Aber immerhin Humor haben sie, ist eben Kölle. Prangt doch momentan auf der Website in der Mitte diese Werbung:

Axa hat Humor

Nur mit dem SonderKündigungsrecht der eigenen Kundschaft hat man es bei der Axa eben nicht so. Nur: So wird das nichts. Mit dem Vertrauen. Und auch nicht mit der Kompetenz.

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