Steile Thesen

Die Journalistin Christiane Schulzki-Haddouti hat “10 Thesen” formuliert, die sich um die Medienentwicklung drehen.

Wie sie selbst einräumt sind die Sätze allerdings weniger als Thesen, sondern mehr als Zustandsbeschreibungen formuliert. Sei’s drum. Es geht vor allem darum, wie das Internet die Medienlandschaft verändert, wie traditionelle Journalisten ihre Gatekeeper-Funktion verlieren etc. Das meiste schon mehrfach gehört, deshalb aber nicht falsch oder uninteressant.

Bei manchen Sätzen frage ich mich aber, von welchen Journalisten wir da eigentlich reden. Da lese ich:

Die Redaktionskonferenz ist in traditionellen Medien der Ausgangspunkt für neue Geschichten, der Leserbrief die Endstation.

Künftig könnten verstärkt Leserhinweise der Ausgangspunkt für Recherchen sein. (…)

Auch in Redaktionskonferenzen sitzen - zumindest bei uns - nur Journalisten, die ihre Geschichten bzw. Ideen für Geschichten aus anderen Medien erhalten, aus dem Nachdenken über aktuelle Entwicklungen, über eigenes Erleben - und natürlich schon immer über Anrufe oder Briefe von Lesern, die sich über Missstände beklagen oder etwas Besonderes erlebt haben.

Manchmal habe ich den Eindruck, es wird absichtlich ein Popanz des traditionellen Journalisten, der allein in seinem Büro sitzt und mit niemandem kommuniziert, sich dafür aber allem und jedem überlegen fühlt, aufgebaut, damit man dem gegenüber den “neuen” Journalisten mit Internet-Kompetenz stellen kann, der endlich mit den Lesern kommuniziert.

Die Wirklichkeit, die ich erlebe, ist eine andere.

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