Auf hoher See

…und vor Gericht sind wir alle in Gottes Hand. Oder so ähnlich. Ich bete dann immer inständig, dass ich nicht mal vor so einem Richter sitze.

Heute hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mal wieder einem Arbeitsgerichtsprozess folgen zu dürfen. Zwei Stunden großes Kino. Ich dachte ja immer, der Richter führt so eine Verhandlung, aber mir dünkt, unter bestimmten personellen Konstellationen kann auch mal ein Anwalt das Ruder übernehmen und die Verhandlung leiten. Spricht ja nicht wirklich für den Richter, aber, naja, ich schätze mal, es ist ihm egal.

Schön fand ich auch, dass mich der Anwalt gleich zu Beginn anmaulte, mein zum Thema zuvor erschienener Artikel sei schlecht recherchier, warum ich dieses und jenes nicht geschrieben hätte. Etceterapp. Ich habe ihm dann erklärt, dass Recherche heißt, diejenigen zu fragen, die mehr wissen (könnten) als ich selbst. Und wenn seine Seite mir nur sagt, wir sagen nix, tja, dann kann ich all das tolle Wissen auch gar nicht schreiben.

Dass man einer Frau nach 27 Jahren in einer Firma aber vorhält, sie sei nach der Kündigung und der Klage nun so lange krankgeschrieben, sie sei eine “Sozialschmarotzerin” und ähnliches, das finde ich dann doch erstaunlich: Ich frage mich bei sowas dann, warum eine Firma so jemanden dann wohl so lange vorher beschäftigt hat?

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