Wirtschaftskreislauf

Journalisten, die ihrem Beruf ganz traditionell nachgehen und dafür sorgen, dass Papier mit schwarzen Buchstaben bedruckt wird, werden von manchen Bloggern ja belächelt - oder beschimpft. Als von gestern, als Gatekeeper, als Wichtigtuer. Dabei machen wir uns tatsächlich Gedanken, womit wir die Seiten füllen, was eben jene “news” sind, “that fit to print”. Meistens liegen wir damit ganz gut, manchmal auch daneben.

Klar denkt man dabei daran, was vielleicht die Leserschaft anders beurteilen würde als man selbst - und mittelfristig spielen auch Aboentwicklungen eine Rolle.

Aus Gesprächen mit Online-Journalisten-Contentmanagenden kann man dagegen den Eindruck gewinnen, dass die Inhalte völlig beliebig sind, Hauptsache Leute werden von Google gut weitergeschickt und es gibt viele, viele Klicks. Deshalb sind auch Bildergalerien mit möglichst vielen Bildern oder Umfragen mit mehreren Zwischenschritten sehr beliebt.

Bei einen schönen Artikel über die “Ökonomie für Wasserbüffel”, der die Auswirkungen solcher Denke mal entwickelt, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus:

Immer noch verführerisch scheint allerdings für Medienmanager die Vorstellung zu sein, dass, so berichtet Cnet begeistert, WordPress auf seinen Sites mit gerade einmal 19 Vollzeitangestellten 135 Millionen Unique Visitors zu generieren vermag (…) Das Zusammenspiel aus automatisch generierten Spamblogs, ebenfalls automatisch zugeschalteten Anzeigen und automatisierten Klickbots, die sich als “Unique Visitors” ausgeben, eröffnet eine Perspektive darauf, wie der kommerzielle Medienkonzern der Zukunft aussehen wird.

Unternehmer-Bots gründen Briefkastenfirmen auf untergegangenen Südseeatollen, die sich nur noch durch die Einnahmen aus der Domainvergabe finanzieren. Dann gründen Verleger-Bots Tausende von Weblogs, die sie mit Blindtexten befüllen und umgehend bei verschiedenen Werbeprogrammen anmelden. Klickbot-Fakes oder Menschen, die noch billiger sind als Klickbot-Fakes, simulieren den notwendigen Traffic. Der Kreis ist geschlossen, zumal die Werbung ihrerseits nur von anderen Briefkastenfirmen kommt. Onkel Luhmann nannte so etwas “operationale Schließung”, glaube ich.

Und, halt, ernstgemeinte Warnung: Man sollte den Artikel bei futurezone zuende lesen, als möglicherweise hier mitlesender Medienmanager oder Online-Contentverwalter. Denn das dicke Ende kommt noch - und es hat was mit Wasserbüffeln zu tun.

via: Schockwellenreiter

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