Halb gut bleibt schlecht

Liebe Berliner S-Bahn,

irgendwie kann man Dich einfach nicht verstehen. Ich habe extra Deine Service-Nummer angerufen und gefragt, ob der S-Bahnhof “Unter den Linden” einen Aufzug hat. Hat er, hat mir Deine Service-Mitarbeiterin gesagt.

Also sind wir dahin gefahren und mit meiner Großmutter dort ausgestiegen. Am Ende des Bahnsteigs Richtung Brandenburger Tor war sogar ein Aufzug. Und er ist auf Knopfdruck auch gekommen. Ja, das tolle Ding hat sogar mit uns gesprochen und uns gewarnt, dass gleich die Tür zugeht. Alles prima, wirklich.

Nur dann kommt der Aufzug am Ende an - und wir steigen aus. Wir sind in so einer Art Zwischengeschoss. Und um ans Tageslicht zu kommen, muss man, was wohl, eine Treppe hochklettern. Keine Rolltreppe, kein weiterer Aufzug, nichts. Meine Großmutter hat sich dann mit viel Mühe raufgequält.

Gut, könnte sein, dass es am anderen Ende des Bahnsteigs noch einen Aufzug ohne diese Probleme gibt. Ich muss sagen: Ich habe es (noch) nicht nachgeprüft - aber das wäre ebenfalls ein ganz schön weiter Weg, wenn man erstmal im Zwischengeschoss angekommen ist. Und selbst wenn dem so wäre: Wie wäre es denn wenigstens mit einem Schild an dem Aufzug, den wir genutzt haben. So im Sinne von “Achtung, dieser Aufzug fährt nur ins Zwischengeschoss. Um von da weiter zu kommen, müssen sie trotzdem gut zu Fuß sein.” Vielleicht kann der Aufzug das sogar vor sich hinmurmeln, statt der Warnung über die sich schließenden Türen.

Würde mich mal interessieren, wie Du das siehst, liebe S-Bahn. Denn immerhin bist Du ja eigentlich besser ausgestattet mit Rolltreppen und Aufzügen als Deine kleine Schwester U-Bahn. Wer zum Beispiel zum “Spittelmarkt” will und nicht gut zu Fuß ist, der hat eben Pech gehabt.

Be leidensbereit.

Be gut zu Fuß.

Be (in) Berlin.

Dein nicht immer ganz treuer Kunde

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