Verfressen

Unsere Bundeskanzlerin hat eine Erklärung dafür, warum das gesamte globale Wirtschaftsgefüge aus dem Lot geraten ist. Nicht etwa, weil die westlichen Industrienationen anfangen, Nahrungsmittel zu destilieren und in Kraftfahrzeugen als Sprit zu verbrennen. Iwo, das sind doch Marginalien.

Ihre Erklärung hat Merkel den Nachrichtenagenturen in den Block gesprochen:

In Indien etwa nähmen inzwischen rund 300 Millionen Menschen eine zweite Mahlzeit am Tag ein, sagte Merkel. “Wenn die plötzlich doppelt soviel Nahrungsmittel verbrauchen als sie das früher gemacht haben und dann auch noch 100 Millionen Chinesen beginnen Milch zu trinken, dann verzerren sich natürlich unsere gesamten Milchquoten und vieles andere”, sagte die CDU-Chefin mit Blick auf den europäischen Agrarmarkt.

Selbst aus diesen dürren Zeilen kann man noch ein bisschen die Empörung rauslesen, finde ich. Zwei Mahlzeiten! Zwei! Pro Tag, wohlgemerkt, nicht pro Woche. Und dann noch Milch! Unsere Milch! Trinken! Die Chinesen! Das bringt unsere schön austarierten Quoten und Verträge völlig durcheinander. Das hat man jetzt davon, von dieser ganzen Entwicklungshilfe.

Ach, hätte sie doch geschwiegen, die Kanzlerin, und wäre sie in Abendgarderobe in die Oper gegangen. Es wäre für alle Beteiligten besser gewesen.

Update, 30.4.2008:

Gestern Abend hat immer die ZDF-Satiresendung “Neues aus der Anstalt” (Folge 14, zu finden über die ZDF-Mediathek) diese ungewöhnlichen Merkel-Sätze aus der Pressekonferenz als Kurzfilm eingespielt. Hat also doch noch wer gesehen…

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