Tschüß, Flughafen Tempelhof

So, jetzt wird endlich abgestimmt. Dann gibt es die nächsten Tage wohl noch ein paar politische Debatten, völlig unabhängig vom Ergebnis, wer jetzt in Wahrheit gewonnen und wer verloren hat, aber dann dürfte es mal wieder ruhiger werden, zumindest bis kuzr vor der eigentlichen Schließung im Herbst. Kann doch jetzt kein Mensch mehr hören, dieses Wort: “Tempelhof”. Flughafen offen halten, Flughafen schließen… Statt abzustimmen hätte man einfach schauen sollen, wie viele Prozent der Berliner bereits einmal von Tempelhof irgendwohin geflogen sind, das wäre schnell durchzuzählen gewesen.

Vor allem die Werbung der Befürworter rund um die CDU war in ihrer dick aufgetragenen Emotionalität nur schwer zu ertragen. Meine Meinung dazu:

Wer bei der Autofahrt durch die Bundeshauptstadt derzeit nicht die Augen geschlossen hält, hat es mitbekommen: Der Weltuntergang steht bevor – falls die Berliner nicht am Sonntag mit „Ja“ für den Flughafen Tempelhof stimmen. Nach geheimen MAZ-Informationen soll Bernd Eichinger noch einen letzten Werbespot gedreht haben, der von heute Null Uhr an nonstop in allen Kinos gezeigt wird.

Darin spielt Al Pacino einen sichtlich gealterten Friedbert Pflüger (CDU), der mit Tränen in den Augen zusieht, wie Brandenburger Polizeibeamte nach dem Scheitern der 27. Föderalismuskommission 2023 Berlin mit einem hohen Zaun abschotten. „Schaut auf diese Stadt“, ruft Pflüger, „und diesen Mann.“ Er zeigt auf Klaus Wowereit (SPD, gespielt von Danny de Vito), der versucht, auf einem Spreewaldkahn über die Spree heimlich die belagerte Stadt zu verlassen. „Ohne Flughafen sind wir doch verloren“, schluchzt eine Mutter (Maria Furtwängler, wer sonst?), die sich an Pflügers Beine klammert. „Hätten wir doch auf Sie gehört!“ Der CDU-Politiker dreht sich um und zeigt auf die Kamera: „Sie haben es heute in der Hand. Nur ein Ja rettet uns alle!“, mahnt Pacino-Pflüger. Ende.

Und spätestens Montag geht dann das Licht im Kino an – und den Berlinern auf.

Aber der ganze Hype um Tempelhof hat auch ein Gutes: Das ritualisierte Panikmachen vor der Gewalt am 1. Mai ist dieses Jahr fast ausgeblieben. B.Z., Kurier & Morgenpost hatten schlicht ein anderes Thema.

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