Post vom Quizmaster

Ich habe heute einen Brief der Firma t-online GmbH erhalten, die offenbar suchen.de, die schlechteste lokale Suchmaschine für Deutschland (Eigenwerbung), betreibt und auch die Datenräuber von das Adressverzeichnis webadress.de - bei dem ich, wie unter “Ein Quiz” berichtet, ungefragt mit meiner privaten Postadresse als Geschäft “Beschriftungen” in der Nähe von Frankfurt (Oder) aufgeführt werde.

In dem Brief schreibt mir ein(e) M. Waltenberger:

wir bedanken uns für Ihre Mitteilung an t-info. Nach unserem Verständnis möchten Sie nicht, dass die von t-info unter der Internetadresse www.webadress.de betriebene Suchmaschine auf Ihren Eintrag als Suchergebnis verlinkt. Wir kommen diesem Wunsch gerne nach und werden Ihren Eintrag so schnell wie möglich aus unserem Index löschen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass die Löschung einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Wir hoffen, dass wir die Angelegenheit in Ihrem Sinne erledigen konnten. (…)

Nun ja, nicht wirklich. Schließlich wüsste ich schon gerne, warum t-info glaubt, ich würde geschäftlich Beschriftungen herstellen und wieso Berlin plötzlich bei Frankfurt (Oder) liegt.

Aber die beiliegende Auskunft “gemäß § 34 Bundesdatenschutzgesetz” hat mich dann doch verwundert. Da heißt es:

Herkunft der Daten unter Ziffer 1 (§ 34 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1,2. Halbsdatz BDSG): Die Daten wurden von unserem System von einer frei zugänglichen Internetseite eingelesen. URL: www.streim.de

Das bedeutet, M. Waltenberger und Konsorten glauben, dass jeder Websitebetreiber, der seiner Impressumspflicht nachkommt, damit einverstanden ist, mit seiner Privatadresse und einem völlig willkürlich erfundenen Geschäft an einem abstrusen Ort in der schlechtesten lokalen Suchmaschine der Welt bei webadress.de aufgenommen zu werden? Habe ich das etwa richtig verstanden?

Mein Brief an den Berliner Datenschutzbeauftragten lautet dazu wie folgt:

Sehr geehrter Herr Dr. Dix,

vor einigen Tagen habe ich im Internet zu meiner Verwunderung per Google einen Eintrag mit meinem Namen und meiner postalischen Adresse unter der Internetadresse www.webadress.de entdeckt. Abgesehen davon, dass ich der Firma nicht erlaubt habe, meine Daten zu speichern und/oder meine Adresse öffentlich für andere zugänglich zu machen, wurde ich dort als „geschäftliche Adresse“ mit einem Gewerbe „Beschriftung“ in „der Nähe von Frankfurt (Oder)“ aufgeführt. Tatsächlich bin ich Journalist, arbeite in Potsdam und wohne privat unter der angegebenen „Geschäftsadresse“.

Ich hatte mich darüber per Email bei webadress.de beschwert; die Mail hatte ich Ihnen in Kopie zugesandt.

Heute habe ich eine Antwort der Firma t-info GmbH erhalten, die ich Ihnen in Kopie mitsende. Darin wird mir zwar versprochen, mich aus dem Index zu löschen, zur Erklärung aber darauf verwiesen, dass meine Adresse freizugänglich unter meiner Internetseite www.streim.de abrufbar wäre. Das ist korrekt, da ich den rechtlichen Anforderungen folgend auf meinen Seiten ein Impressum führe.

Allerdings erlaubt m.E. die Angabe einer Adresse im Impressum einer Website niemanden, diese Daten elektronisch in ein eigenes Verzeichnis einzuspeichern und diese anderen zugänglich zu machen. Wenn ich der Erklärung der Firma t-info GmbH folge, so scheine ich sicherlich nicht der einzige Betroffene zu sein, dessen Adresse ungefragt – und, das nur am Rande, fehlerhaft – in ein öffentlich zugängliches Verzeichnis eingepflegt wurde.

Ich halte dies für einen Verstoß auf mein Recht auf informationelle Selbstbestimmung und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie dieses Verhalten der Firma t-info GmbH prüfen würden. Über eine Mitteilung über das Ergebnis einer solchen Prüfung wäre ich Ihnen dankbar.

Mit freundlichen Grüßen,

Schau’n wir mal, wie’s weitergeht.

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