Danke, ich bin satt

Also vorweg: Ich schaue gerne Fußballspiele. Auch im Fernsehen. Ich interessiere mich für das Ballgetrete, ein wenig zumindest. Ich mag WM-Spiele, ich mag EM-Spiele, ich schaue sogar Qualifikationspartien. Manchmal sogar Freundschaftsspiele. Und ich lese sogar gerne über Fußball. Vor dem Spiel, nach dem Spiel. Ich mache sogar beim kollegeninternen EM-Tippspiel mit, weil ja irgendwer das Geld in den Pott einzahlen muss, den - wie immer - jemand anders kassiert.

Ich gehöre also sicher zur Fußball-EM-affinen Zielgruppe. Keine Frage.

Aber trotzdem muss ich sagen: Eigentlich war ich schon vor dem Anpfiff gestern satt. In der “Berliner Zeitung” am Samstag, alles voll mit Fußball-EM. Alles. Was denkt Angela Merkel dazu? Und Kurt Beck? Was treibt die Wirtschaft? Wo stehen Großleinwände? Selbst der Kulturteil startet mit - Fußball-EM. Wer will das eigentlich alles lesen?

Und dann im Radio. Der ganze Werbeblock, nur Fußball-EM. Jedes Produkt lässt sich irgendwie mit dem runden Leder verknüpfen. Glauben die Werber eigentlich, wir sind alle Lemminge? Wäre es nicht vielleicht ganz clever, gerade nicht die EM zu thematisieren, allein um aufzufallen?

Selbst im “Heute Journal” in der Halbzeitpause ist ein Beitrag dazu, dass jetzt die Fußball-EM angefangen hat. Ja, hallo? Reicht es nicht, dass die Stunden davor und die Stunden danach damit zugesendet werden? Könnte man im Nachrichten-Block innerhalb der Sportberichterstattung vielleicht darauf verzichten uns zu sagen, dass jetzt übrigens ganz viel Sport los ist, in Europa?

Und heute Morgen, im Sportstudio meiner Wahl, auch da eine EM-Werbung: Irgendwie bekommt man Freiwochen geschenkt, wenn Deutschland irgendwie weiter kommt und man jetzt einen Vertrag abschließt. Nein, man kommt dem ganzen nicht aus.

Ein schlechtes Menü in einem schlechten Restaurant, das sorgt dafür, dass man schon nach der Vorspeise pappsatt ist, aber trotzdem einen faden Geschmack auf der Zunge hat.

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