Eine Frage der Statistik

Ein schönes Beispiel, wie man eine wissenschaftliche Studie bekommen und zumindest missverständlich formulieren kann: Vergangene Woche gab es am Donnerstag eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über die Mobilität von Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche. Das Ergebnis: Ostdeutsche Jugendliche sind besonders mobil und nehmen weite Wege in Kauf.

Die Nachrichtenagentur dpa machte daraus folgende Meldung, die sich so zum Beispiel noch bei der “Frankfurter Rundschau” findet:

Nürnberg (dpa) - Jugendliche aus den neuen Ländern nehmen für eine Berufsausbildung weite Wege in Kauf. In Brandenburg verlässt einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge fast jeder Vierte das Bundesland.

Das wäre, haben wir uns ja gedacht, eine Knallermeldung: Jeder vierte Brandenburger Jugendliche verlässt das Land? Kein Wunder, dass es da demographische Probleme gibt.

Doch schon der erste Recherche-Anruf bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam ergab: man mag die Zahlen nicht glauben. Während die IAB-Experten von 24.000 märkischen Jugendlichen schrieben, die außerhalb des Bundeslandes eine sozialversicherungspflichtige Lehrstelle gefunden hatten, wusste man bei der IHK nur von etwa 3000 sogenannten Auspendlern pro Jahrgang, die eine Lehrstelle jenseits des Bundeslandes gefunden haben. Und das bei etwa 40.000 Lehrstellensuchenden pro Jahrgang - was die Quote deutlich unter 25 Prozent drückt.

Wer hat Recht?

Das IAB sagte auf Anfrage: Unsere Zahlen stimmen. Die IHK-Zahlen wurden wiederum vom Brandenburger Arbeitsministerium bestätigt.

Am Ende stellte sich heraus: Das IAB errechnet seine Auspendlerquote von fast 25 Prozent nicht mit Bezug auf alle Lehrstellensuchenden im Land, sondern nimmt diejenigen, die außerhalb des Landes eine betriebliche Lehrstelle gefunden haben, und setzt sie in Beziehung zu jenen, die eine ebensolche innerhalb Brandenburgs erhalten haben. Und das sind knapp 12.000 pro Jahrgang.

Das heißt, nicht jeder vierte Jugendliche verlässt das Land auf Lehrstellensuche, sondern jeder Vierte, der eine betriebliche Lehrstelle gefunden hat, hat sie außerhalb des Landes gefunden. Und weil es viele andere Maßnahmen und Projekte gibt, ist die Quote auf alle bezogen deutlich niedriger.

Wir haben dann das daraus gemacht, was etwas sperriger ist - aber dafür korrekt:

Brandenburger Jugendliche sind besonders mobil und verlassen überdurchschnittlich häufig das Land, um anderswo einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu ergattern. Das ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, die gestern veröffentlicht wurde. Demnach hatten am 30. September 2006 genau 14 634 märkische Jugendliche ein sozialversicherungspflichtiges Ausbildungsverhältnis außerhalb des Bundeslandes, das entspricht einer sogenannten Auspendlerquote von 24,3 Prozent aller Jugendlichen mit einer betrieblichen Lehrstelle.

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