Twitternde Wahrheiten

Als ich irgendwo im Netz aufgeschnappt hatte, SPD-Generalsekretär Hubertus Heil würde jetzt auch twittern, habe ich mir den Twitter-Feed natürlich sofort mal angeschaut.

Hä? Da geht’s darum, dass er morgen Sushi essen will statt Steaks und da stehen Sätze wie “die Rede war ein Kracher”. Klar, habe ich mir gedacht, veräppelt mal wieder jemand die Sozen. Es gibt ja auch Blogs, wo vermeintliche Promis über ihr Leben und ihre Firma schreiben - als gute Satire eben.

Aber der Hubertus Heil ist wohl echt. Zumindest schreibt “Spiegel Online” auch darüber. Na gut, ein bisschen Unredlichkeit ist bei der journalistischen Bewertung schon dabei. Twittern deutsche Politiker nicht, wird neidvoll über die USA geschrieben, wo das längst üblich sei. Tun sie es dann doch heißt es, sie machen es nicht richtig. Dabei wüsste ich mal gerne, ob die Journalisten, die die Texte geschrieben haben, eine Vorstellung von “gutem Twittern” haben.

Dabei, finde ich, ist Hubertus-Heil-ät-Twitter gar nicht so inhaltsleer, wie behauptet wird. Da steht der denkwürdige Satz:

… Die qualitaet demokratischer politik misst sich an der frage, ob sie es schafft, konkret das leben der menschen zu verbessern. ungefähr 14 Stunden ago from TwitterBerry

Wenn Hubertus Heil dann wieder in Deutschland ist und mal die Presse durchblättert (und nicht nur die Artikel über den US-Wahlkampf liest), dann wird er heute Texte wie diesen finden:

Löhne im Niedriglohnsektor stürzen ab

Die Einkommensschere in Deutschland klafft auseinander: Einer neuen Studie zufolge sind die Realeinkommen von Geringverdienern binnen zehn Jahren um fast 14 Prozent gesunken - die der Reicheren um bis zu zehn Prozent gestiegen.

Vielleicht twittert mir Hubertus Heil ja mal, wie das aus seiner Sicht zusammenpasst. Ich bin ja auch ein Twitterer, unter twitter.com/astreim. Und - Disclaimer - bei mir steht auch nix Intelligenteres als bei Hubertus Heil von der SPD. Mich lesen aber auch nicht so viele Leute.

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag