Qualitätsjournalismus (5)

In der Verbandszeitschrift meiner Gewerkschaft DJV, dem “Journalist”, der die leicht anmaßende UnterÜberzeile “Das deutsche Medienmagazin” trägt, findet sich in der aktuellen Ausgabe 92008 auf S. 7 eine Kurzmeldung mit der Überschrift “Hambrecht vor Reithofer - Dax-Medienbarometer”.

Die zwölfzeilige Meldung beginnt so

Jürgen Hambrecht ist nach Ansicht der journalist-Leser im zweiten Quartal 2008 der glaubwürdigste Vorstandsvorsitzende im Dax. Der Chef des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF verbesserte sich im zweiten “Dax-Medienbarometer” des Verlags Rommerskirchen um neun Plätze (…)

und führt dann das Auf und Ab der Bosse aus.

Schließlich endet der Text mit dem Satz:

An der nicht repräsentativen Onlinebefragung nahmen 334 Leser teil.

Manchmal sollte man eigene Umfragen besser in der Versenkung verschwinden lassen, wenn sie nicht funktionieren. Oder ist die Leserzahl des “Journalist” so massiv gesunken, dass 334 Teilnehmer irgendwas aussagen? Das sind ja nur etwas mehr als zehn Leute aus der Pressestelle jedes Dax-Konzerns, die da ihre Chefs hochgewertet haben. Oder so.

Aber wenn man diese Meldung schon unbedingt bringen muss, weil der Verlag das sonst vielleicht nicht so lustig fände, dann hätte man doch bitte noch ein paar Zeilen mehr ausgeben können und mir erklären: Wie definiert man “Glaubwürdigkeit eines Vorstands”? Dass er treuherzig gucken kann? Oder dass man als Journalist die Fakten so genau kennt, dass man weiß, dass das, was der Chef sagt, in etwa stimmen könnte?

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