Die eigene Öffentlichkeit

Man sagt ja gerne, diese oder jene Meldung “made my day”. Will sagen: darüber hat man sich köstlich amüsiert. Für mich war das heute der Text “Mund halten - und dankbar sein?” in der “Berliner Zeitung”. Darin geht es um die Äußerungen von Regisseur Volker Schlöndorff über die Defa in der “Märkischen Allgemeinen”, die zu heftigen Reaktionen geführt haben.

In dem “Berliner Zeitungs”-Artikel heißt es (Hervorherbung von mir):

In einem Gespräch mit der Märkischen Allgemeinen hatte Schlöndorff Defa-Filme pauschal als “furchtbar” verdammt und geschildert, wie er seinerzeit in Paris über sie gelacht habe. Die Berliner Zeitung hatte Schlöndorffs Generalverdikt öffentlich gemacht (siehe Ausgabe vom 10. Dezember).

Das finde ich einen wirklich spannenden Gedanken. Eine Zeitung schreibt über das, was eine andere Zeitung geschrieben hat, und behauptet dann, man selbst habe den Inhalt ja erst “öffentlich gemacht”. Oder in diesem Fall: zwei Tage nach dem Erscheinen “öffentlich gemacht”.

Das ist vor allem auch deshalb lustig, weil ein Text in der “Märkischen Allgemeinen” ja eigentlich sogar öffentlicher ist als einer in der “Berliner Zeitung”, zumindest wenn man die aktuelle Reichweitenanalyse zugrunde legt. Demnach kommt die MAZ auf 441.000 Leser (24.000 mehr als zwei Jahre zuvor), die Berliner erreicht 403.000 (minus 39.000).

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