Die einfachen Wahrheiten

Ich gebe zu, ich bin beim aktuellen Konflikt in Gaza parteiisch. Ich war in Israel, ich kenne Leute in Israel und ich habe Verständnis dafür, dass man auf Dauer nicht einfach ignorieren kann, dass täglich Raketen aus 30 Kilometer Entfernung auf eigenes Land, auf Dörfer, auf Häuser geschossen werden. Ich bin vielleicht auch parteiisch, wenn ich nicht erkennen kann, dass Israel sich als Ziel gesetzt haben soll, die Palästinenser zu vernichten, sondern ja im Gegenteil sich zum Beispiel aus Gaza zurückgezogen hat - gegen erheblichen Widerstand im eigenen Land.

Aber vielleicht ist es ja doch nicht nur Parteilichkeit, sondern gesunder Menschenverstand wenn ich mich frage, wie ernst zu nehmend eigentlich Leute sind, die auf “Friedensdemonstrationen” für Gaza gehen, auf denen dann vorne “Tod, Tod, Israel!” gebrüllt wird. Frieden durch … Ermordung? Da kann man dann bald auch auf Demos gegen Fremdenfeindlichkeit gegen und “Ausländer raus!” brüllen okay finden, weil sich dadurch das Problem ja irgendwie auch lösen ließe. Irgendwie… wenn man ein bisschen anders denkt.

Beispielhaft, wie diese Reflexe “böses Israel” gegen “guten palästinensisches Widerstand” sich dann ins Groteske steigert, mal hier (Hervorhebung von mir) von “Fefes Blog” (das ich zu anderen Themen ja wirklich gerne lese):

Auch das noch: Die israelischen Streubomben sind offenbar auch noch mit Phosphor bestückt (auch die Fotostrecke angucken). Hey, warum nicht noch ein bisschen Anthrax dazu! Und wie wäre es mit ein bisschen Uran? Oh warte, zu spät, macht Israel schon. Hier sind ein paar Gendefekte durch Uranmunition. Ganz toll. Was kommt als nächstes? UNO-Schulen bombardieren? “Medizinische Versuche” an den Gefangenen?** Ist ja auch viel billiger als Vergasen so. **

Genau, denn die Juden sind ja eigentlich die viel schlimmeren Nazis. Da kommt er wieder, der ur-deutsche Reflex. Wer hat nochmal gesagt: “Nur das mit dem Holocaus, das verzeihen die Deutschen den Juden nie.”

Und was die Uno-Schule angeht: Gerade in Kriegszeiten empfinde ich es als wichtig, beide Seiten zu sehen und zu hören. Ich kann nicht beurteilen, wer “die Wahrheit” (so es die denn gibt) sagt, aber im Newsletter der israelischen Botschaft heißt es dazu:

Am Dienstag sind 30 Palästinenser beim Beschuss einer Schule in Jebaliya durch die israelische Armee getötet worden. Erste Untersuchungen weisen darauf hin, dass Terroristen der Hamas Mörsergranaten vom Schulgelände aus auf israelische Truppen abgefeuert hatten, welche das Feuer dann in Richtung seiner Herkunft erwiderten. Das israelische Gegenfeuer ging außerhalb der Schule nieder; eine Reihe von anschließenden Explosionen deutet aber darauf hin, dass sich innerhalb des Gebäudes Munition und Sprengstoff befanden. Geheimdienstinformationen zufolge sind unter den Getöteten zwei bekannte Mörsergranaten-Schützen der Hamas, Immad Abu Iskar und Hassan Abu Iskar.

Unschuldige Zivilisten hätten nicht sterben dürfen; es ist jedoch wichtig zu verstehen, wer wirklich für diesen schrecklichen Vorfall die Verantwortung trägt. Die Hamas begann den gegenwärtigen Konflikt, als sie vor drei Wochen einseitig die Waffenruhe aufkündigte und unprovozierte Raketen- und Mörsergranatenangriffe gegen israelische Städte vom Zaun brach. Dieser Akt der Aggression stellt einen klaren Verstoß gegen das internationale Recht dar und wirft ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Tatsache: Nicht ein einziger Israeli und nicht ein einziger Palästinenser wären zu Schaden gekommen, wenn die Hamas nicht mit die brutalen Angriffe gestartet hätte. > >

Es gibt ein Video aus dem Jahr 2007, dass das israelische Militär online gestellt hat und dessen Authentizität ich nicht prüfen kann. Es soll zeigen, wie von einem Schulgelände aus Raketen Richtung Israel abgefeuert werden. Zu sehen ist es hier.

Warum kritisieren viele von denen, die für “Frieden in Gaza” sind und gegen die israelische Militäraktionen, bei denen zweifellos unschuldige Zivilisten getötet werden, nicht genauso laut den weiteren Beschuss israelischer Städte durch Palästinenser - ein Beschuss, der sich ganz ausschließlich auf zivile Ziele richtet? Oder wie es die israelische Botschaft, parteiisch, aber in diesem Fall wohl treffend, formuliert: “Die vom Iran unterstützte Hamas weigert sich - als Teil ihrer Strategie -, eine der grundlegendsten Anforderungen des internationalen humanitären Rechts zu befolgen – die Unterscheidung zwischen militärischen Einrichtungen und zivilem Besitz zu unterscheiden.”

Die Hamas kann dazu aufrufen, überall in der Welt Israelis als Reaktion auf den Angriff zu töten. Der internationale Aufschrei hielt sich, nun ja, in Grenzen. Man muss sich vielleicht einen solchen Aufruf nur einmal mit veränderten Nationalitäten vorstellen um zu begreifen, was da gesagt wurde.

Allen, die ihre eigene Position in dem Konflikt zumindest mal hinterfragen wollen, empfehle ich diesen Text von Ulrich W. Sahm aus der “Märkischen Allgemeinen”, der sich mit “Klischees und Wirklicheit” des Nahost-Konflikts auseinandersetzt.

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