Mal ein Buchtipp

Nicht dass ich hier in meinem Blog monothematisch zum Nahost-Konflikt schreiben will. Es ist nun mal so, dass ich in meiner kleinen digitalen Stube über das bloggen möchte, was mich gerade beschäftigt. Wobei Dinge, die meine Arbeit und meinen Arbeitgeber berühren in der Regel außen vor bleiben, weil das eben mein privates Ding ist und ich mir von niemanden, auch nicht von jemandem, der mein Gehalt bezahlt, reinreden lassen will. Und ein paar andere Dinge sind mir zu privat, als dass ich sie vor aller Welt ausbreiten will.

Bleibt also derzeit: ziemlich viel Nahost-Konflikt.

Aber heute habe ich mal einen Buchtipp für alle, denen das alles zu kompliziert ist und denen das Messer in der Tasche aufgeht, wenn ich mal wieder mit manchen Losungen der Friedendsdemonstranten wenig anfangen kann. Es ist ein Buch, das sogar unterhaltsam ist. Es ist nämlich ein Krimi - und zwar “Der Verräter von Bethlehem” von Matt Beynon Rees.

Der Inhalt: Omar Jussuf ist Lehrer in Bethlehem. Einer seiner ehemaligen Schüler, ein Christ, wird beschuldigt, als israelischer Kollaborateur den Tod eines Mitglieds der Märtyrerbrigaden auf dem Gewissen zu haben. Doch Omar Jussuf glaubt nicht, dass es so war, wie es scheint, gewesen zu sein. Und er beginnt, praktisch als Privatdetektiv, zu ermitteln. Und dabei stößt er in einem Sumpf von Korruption, Kriminalität und Lüge, wo draußen Freiheitskampf, Aufopferung und Heldentum draufsteht. Und er bewegt sich in einer Welt, die voller Angst und Untedrückung ist - und die resultiert nicht allein von den israelischen Soldaten (wobei Israel, nur um Sorgen mancher meiner Leser gleich zu zerstreuen, auch nicht gut wegkommt).

Jetzt kann man - zu Recht - sagen: Das ist ein Roman, eine Fiktion, eine gute Story. Aber nicht die Realität. Wohl wahr. Ich würde dem aber entgegnen: In einem guten(!) “Tatort” im Fernsehen kann mehr Wahrheit über Deutschland, mehr Sozialkritik, mehr Nachdenkenswertes über die Zustände in unserem Land drinstecken als in einer durchschnittlichen Politiker-Talkshow. So what?

Man muss nach der Lektüre dieses Buches nicht sein Weltbild auf den Kopf stellen - aber man kann sich danach fragen, ob manches denn nicht vielleicht anders sein könnte, als wir es von hier aus sehen. Und dieser Zweifel ist meines Erachtens etwas, was in dem Nahost-Konflikt viel zu selten vorkommt; der ist nämlich gespickt von Leuten, die glauben unumstößliche Wahrheiten zu vertreten. Mit den bekannten Folgen. 327 Seiten die sich lohnen, würde ich sagen.

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