Talkshowdown

Selten verursacht mir Fernsehen direkte körperliches Unwohlsein, geradezu Schmerzen. Fremdschämen vielleicht, manchmal, wenn man wieder - ganz aus Versehen - in “Frauentausch” oder ähnliches zappt. Aber “Hart aber fair” gestern Abend zum Thema ob wir den Israelis nochmal verzeihen wollen wie weit die Solidarität mit Israel geht, das war so ein Ding. Mir geht geradezu das Messer in der Tasche auf, wenn da 70+ Jahre alte männliche(!) “Experten” wie der abgehalfterte frühere Renten- (“die Rente is sischer”) und heutige Nahost-Experte Norbert Blüm daherschwadronieren dürfen.

Schlimm, wenn mir wirklich nur noch Michel Friedman sympathisch (ja, sympathisch, wirklich) ist, weil er offenbar seinen Verstand nicht in der Garderobe vergessen hat und nicht nur noch aus dem Bauch heraus rumpoltert, wie seine Kontrahenten.

Und noch was seltsames zu der Diskussionsrunde - die Besprechung bei “Spiegel Online” (ja, wirklich, Spiegel Online) spricht mir aus dem Herzen:

Wer etwa, wie Norbert Blüm, einen völlig unsinnigen Satz äußert wie “Christen können keine Antisemiten sein!”, verliert seine Glaubwürdigkeit.

Und wer, wie Udo Steinbach, den Israelis gleichsam vorwirft, nichts aus dem Holocaust gelernt zu haben – Motto: Wer so Schreckliches erlebt hat, muss doch für immer gegen alles Böse gefeit sein –, steckt derart tief im Schlamassel des Unbewussten, dass er gerade kein Beispiel für das ist, was wir brauchen: Eine freie, mutige und zugleich selbstkritische Diskussion, die nicht “Tabu!” ruft, wo sie offene Türen einrennt > >

Vielleicht sollte ich lieber abschalten, wenn das nächste Mal Blüm, Steinbach & Co. eingeladen sind.

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