Wie fair ist fair?

Meine Hausbank, die Berliner Sparkasse, hat ihr Girokontenmodell verändert und macht dazu eine richtig kräftige Werbekampagne. Total fair sei das eigene System, keine unliebsamen Überraschungen, wie im Urlaub beim Hotel mit “Zimmer mit Meerblick*” (wo im Kleingedruckten dann stehe “nur Zimmer 23”). Und so weiter. Sparkasse - fair eben, so die Botschaft.

Wenn man so eine Werbekampagne macht, dann sollte man allerdings besonders gründlich sein. Denn wer sich auf der Internetseite der Sparkasse umschaut, der sieht:

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Das klingt gut. Was er nicht sieht, nicht einmal im Kleingedruckten. Das ganze gilt für ein reines Online-Girokonto. (Randbemerkung: Bei dem nicht einmal die Terminals in den SB-Centern kostenlos genutzt werden dürften, wie die Sparkassen-Mitarbeiterin in meiner Filiale mir erklärte. Wobei das im Internet wieder anders zu lesen ist. Merkwürdig.) Das ist zwar im Prinzip ok, aber warum wird - wir erinnern uns: fairer als andere! - das eigentlich nicht gesagt?

Auch auf der nächsten Seite steht dann nur:

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Von reinem Online-Konto - auch hier nix zu lesen. Erst beim Klick auf “alle Details” kann man sich das langsam erschließen, indem man feststellt, dass z.B. bei “Erteilung von Überweisungen” dabei steht, durch Internet/Telefon.

Einen großen Unterschied zur angeprangerten Kleingedruckterititis bei der Konkurrenz kann ich da nicht wirklich erkennen.

Noch besser aber: Heute wollte ich mein reines Online-Konto auf das neue Online-Konto umstellen, war eh gerade nachmittags in der Sparkasse am Geldautomat gewesen. Die Dame, siehe oben, erklärte mir erstmal, dass da auch die Konto-Terminals in den Filialen nicht inklusive seien. Ob’s stimmt weiß ich nicht, aber ich brauche die eh nicht.

Gut, sie fragt also nach meiner Kontonummer, schaut auf ihren Bildschirm und sagt: “Ah, sie haben eine Kreditkarte. Wenn Sie die behalten wollen, dann müssen sie statt 29 Euro im Jahr jetzt das Reise-Paket für 2,50 Euro im Monat dazu nehmen. Ich schaue mal, ob ihre Kundenberaterin da ist.”

Hä?

Meine Kundenberaterin war nicht da, ich soll sie mal anrufen - und wurde wieder weggeschickt.

Ein total einfaches Konto-Modell auf das ich in meiner Filiale nicht ohne meine persönliche Beraterin wechseln können soll? Irgendwie zweifele ich langsam an der Zurechnungsfähigkeit dieses Geldinstituts. Ich lasse mich gerne beraten, wenn ich beraten werden will. Aber ich möchte auch nicht, dass ich künftig nur noch an den Geldautomaten darf, wenn mich vorher meine persönliche Beraterin gesehen hat. Und falls die nicht da ist, soll ich ein anderes Mal kommen. Was glaubt diese Sparkasse eigentlich, wie viel Zeit ich so habe? Und da wundern sich die, dass eine bestimmte Kundengruppe zu flotten Direktbanken wechselt? Kann diesen Eintrag mal bitte jemand an den Sparkassenvorstand mailen dem Sparkassenvorstand ausdrucken und vorlegen?

Blöd, dass ich in der Filiale erstmal völlig irritiert war - und erst so nach und nach sich bei mir ein gewisser Ärger aufgebaut hat.

Im Internet, habe ich dann gesehen, kann ich auch alleine das Kontomodell wechseln. Da ich dort aber nicht erfahren kann, ob meine existierende Visa-Card mit Nummer etc. in das neue “Reise-Paket” umgestellt wird oder ich etwa eine ganz neue brauche (och nö, mag ich nicht), habe ich davon erstmal Abstand genommen. Statt “spritziger Werbung” hätte ich wirklich lieber vollständige Informationen. Danke.

Meiner wirklich netten Kundenberaterin habe ich jetzt mal eine Mail geschrieben. Hätte ich vielleicht gleich tun sollen.

Update: Und fünf Minuten nachdem die Mail raus war, hat um Viertel nach sieben abends das Telefon geklingelt und meine Kundenberaterin war dran. Und jetzt flutscht alles. Da kann man doch wirklich nicht mehr meckern :-).

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