Real be berlin

Einen Tag mit einer positiven Überraschung zu beginnen ist in Berlin gar nicht so schwer. Zumindest wenn man S-Bahn fährt. Und dann steigt wieder so ein Mann ein, Gitarre unterm Arm und man weiß: Gleich wird es laut. Obwohl man doch in Ruhe Zeitung lesen will. Und man beginnt gerade darüber nachzudenken, ob so ein iPod-Dings vielleicht doch ganz nett wäre, da fängt er auch schon an zu spielen. Und man senkt die Zeitung und fühlt sich ein bisschen an den Telekom-Werbespot mit dem Opernsänger erinnert.

Der Mann in der S-Bahn beginnt mit einer raumergreifenden Stimme gefühlvoll etwas zu singen, was der musikalische Laie in mir als Arie bezeichnen würde, auf russisch und auf eine Weise, die das Wort “ergreifend” nur unzureichend beschreibt. Drei Stationen lang ist es einfach wunderschön und man schämt sich ein wenig, dass man eigentlich schon diese Mauer aus Genervtheit und Unwillen um sich aufgebaut hatte, als er die Bahn betreten hatte.

“Tschaikowsky”, sagt er noch auf die Frage, was das war, als man zusammen aus der S-Bahn steigt. Und dann ist er schon wieder weg. Und der Tag hat in Berlin mit einer positiven Überraschung begonnen. Be berlin.

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