Twitter-Reflexionen

Twitter ist an sich schon ein ziemlich auf sich selbst bezogenes Medium. Man twittert ja auch gerne über das, was andere gerade getwittert haben. Heute wird reflektiert, wie der Amoklauf von Winnenden zu sehr merkwürdigen Twitter-Auswüchsen führte. Etwa dem, dass eine Frau, die vom anderen Ende der Stadt eine Kurznachricht absetzte, von etablierten Medien aus dem In- und Ausland um Expertise angefragt wurde. Oder auch darüber, dass außer der Weitergabe von mehr oder weniger richtigen Infos aus etablierten Medien auf Twitter wenig dazu zu lesen war. Und so weiter, und so fort.

Stefan Niggemeier kritisiert dann noch in einer Breitseite Journalisten, allen voran vom Focus Online, die auf dem Weg zum Schauplatz des Verbrechens ihre Befindlichkeiten twitterten und später über den Erwerb von zwei Zahnbürsten für die Nacht in der Stadt. Pietätlos sei das.

Nun waren viele Journalisten auch schon in früheren Zeiten nicht gerade für Pietät, Anteilnahme oder ähnliche Dinge bekannt - nur haben es da meist nur die Menschen im direkten Umfeld des Ereignisses mitbekommen. Insofern möchte ich zynisch, ganz Journalist, sagen, ist es doch gut, wenn die Allgemeinheit da einen gewissen Einblick bekommt, wie die Leute ticken, die später dann ganz betroffene Ansagen im TV machen oder die langen Geschichten mit den emotionalen und mitfühlenden Einstiegen schreiben.

Ich würde es mal so sagen: So wie man das gleiche Zeitungspapier mit sehr unterschiedlichen Inhalten bedrucken kann, so kann man Twitter-Kanäle mit sehr unterschiedlichen Inhalten befüllen. So wie die eine Zeitung all jene Neugier zu befriedigen versucht, die kaum jemand sich trauen würde laut zu äußern, versucht die andere eben mit weniger Fotos und großen Buchstaben Hintergründe zu vermitteln. Je nach Zielgruppe. Anders wird es bei Twitter auch nicht sein.

Was auf Twitter steht liegt nicht am Medium, es liegt an den Leuten, die an der Tastatur sitzen.

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