Unlogisch ist kein Wort dafür

Journalisten haben ja eigentlich nie frei, deshalb lesen sie natürlich auch am Sonntag, wenn die eigene Zeitung nicht erscheint, was die anderen so treiben. Ich lese zum Beispiel gerne beim Frühstück den “Tagesspiegel am Sonntag”. Und meistens lese ich auch Harald Martenstein und seine Kolumne auf Seite 1 gerne. Unterhaltsam, denke ich mir dann.

Und heute? Heute habe ich mir gedacht, warum reden Kolumnisten nicht mal über das, was sie schreiben, mit anderen? Oder gibt es nicht vielleicht einen Redakteur, der nochmal wegen Tippfehlern gegenliest und dann fragt, “Du Harald…” oder “Entschuldigen Sie, Herr Martenstein, das ist doch einfach Unfug, was sie da schreiben.”

Der geneigte Leser wird es ahnen, Herr Martenstein hat sich nämlich mit der Internetsperre beschäftigt. Und eine lustige Episode mit dem Polizeimeister Dimpflmoser erfunden. Die geht ungefähr so, dass wer gegen Internetsperren ist, weil er das Schlimmste befürchtet, auch Angst hat, dass die Polizei nicht nur das Stehlen, sondern bald auch das Spazierengehen verbieten wird. Und dass man Verbrechen nun mal bekämpfen müsse - das sei ja irgendwie klar. “Alles oder nichts ist unlogisch” ist der Text überschrieben.

Tja… nur hat das alles eigentlich niemand behauptet bzw. bestritten. Es gibt Journalistenkollegen, die schreiben gerne heftige Kommentare die super logisch klingen und echt überzeugend sind, indem sie der anderen Seite erstmal einfach irgendwelche Argumente unterschieben, die dann genüsslich zerlegt werden. Ob diese Argumente tatsächlich so geäußert wurden, das weiß der Leser ja nicht. Und andere Argumente, zu denen einem keine Erwiderung einfällt, die lässt man einfach weg. So arbeitet auch Martenstein in diesem Fall in seiner Kolumne.

Denn das Problem ist: Kein mir bekannter Netzsperren-Gegner will, dass die Polizei nix tut. Im Gegenteil. Der Herr Dimpflmoser soll losziehen und die bösen Buben schnappen und die kriminellen Webseiten abschalten. Er soll sich aber nicht an eine Straßenecke stellen dürfen und Passanten wahllos anblaffen, “schauen sie in die andere Richtung, weitergehen, nicht stehenbleiben, wird’s bald”. Weil vielleicht da hinten, in der Straße, gerade ein Verbrechen geschieht, das aber niemand sehen soll. Oder vielleicht auch was ganz anderes - das kann der Bürger aber nicht feststellen, weil er nicht hinschauen darf und die Polizei ganz alleine entscheidet, wo die Dimpflmosers dieser Welt ihr “nicht hinschauen, weitergehen” blaffen.

Aber mit Fakten kann man halt keine lustigen Geschichten schreiben. Zumindest nicht jeder.

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag