Vom Kurs abgekommen

Ja, mir ist die Piratenpartei von ihrer Idee her sympathisch. Das Internet, Bürger- und Freiheitsrechte und der Umgang der Gesellschaft mit der Digitalisierung sind wichtige Themen, Zukunftsthemen. Mich erinnert das immer weniger an die Grünen in den 80er Jahren als an Attac und die Diskussion um Globalisierung und Finanzmarktkontrolle.

Und es gibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn - auch in der Zeitung, für die ich arbeite - beim Thema immer wieder geschrieben wird, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Als ob das so wäre und als ob das jemand fordern würde.

Tja, aber jetzt ist das passiert, was ich irgendwie schon eine Weile befürchtet habe, nachdem die Piraten immer und immer wieder betont haben, das politische Rechts-/Links-Schema sei überholt und da wolle man sich nicht einfügen. Die Rechten scheinen da zu sein. In Person eines Bodo Thiesen, der auf dem Bundesparteitag in ein Amt gewählt wurde und sonst gerne mal den Holocaust mit der These, die Erde sei eine Scheibe in Verbindung bringt.

Dass es so ein Mensch bei einer chaotischen Parteigründung irgendwie in Amt und Würden bringt - da würde ich ja persönlich noch sagen: geschenkt. Das passiert, und dann muss man entsprechend darauf reagieren. Aber wie darauf reagiert wird, da bekomme ich dann schon das Kotzen ein bisschen Wut.

Da schreibt eni Vorstand der Piraten aus dem Saarland zu dem Thema:

Die Postitionen von Bodo Thiesen sind sicherlich fragwürdig. Eine tatsächliche Relativierung des Holocoust geben sie aber derzeit nicht her! Er zweifelt offenbar an den Details ODER am gesamten. Entweder drückt er sich bescheuert aus, oder er ist es tatsächtlich. Nur wird das aus dem gesagten nicht klar! Daher heisst es wohl “in dubio pro reo”.

Mal als Beispiel: Auch ich finde einige Details in der deutschen Geschichte schlicht Pauschalisierung derselben. Der Norwegenfeldzug war wohl nach allen mir bekannten Fakten ein reiner Reaktionskrieg und keine reine Angriffshandlung. Hier zu differenzieren, finde ich OK. Eine strategische Betrachtung des Kriegsverlaufes nimmt nichts an der Schuld, > >

Jemand anderes meint:

Der Typ scheint zwischen seinen schwachsinnigen “geschichtswissenschaftlichen” Äußerungen und seiner konkreten Parteiarbeit differenzieren zu können, ich würde da nur ein Problem sehen, wenn er seine seltsamen Ideen in die Politik mit einbringen würde, so ist er aber nur eine Person mit seltsamen “Privat”ansichten, was ihn ja nicht davon abhält, Vernünftiges in die Diskussion einzubringen.

Aud keinen Fall aber ist er ein Nazi- Vielleicht seltsam fasziniert von dem 3ten Reich, aber kein Nazi. > >

Und Pirat Thorsten Wirth twittert:

Was soll da los sein, ein Mensch hat in jungen Jahren mal Bullshit von sich gegeben. Das Zitat ist meines Wissen nach sehr alt

Abwiegeln, runterreden, entschuldigen.

Nee, sorry, eine Partei, die eine offene Flanke nach rechts hat, ist für mich untendurch. Wie es ausgeht, wird sich wohl in den nächsten Tagen zeigen.

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