Warum ich im DJV bleibe

Zumindest vorerst.

Keine Frage, ich habe mich über die Pressemitteilung meiner Gewerkschaft, des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) zum Thema Urheberrecht im Internet & Google auch geärgert. Oder vielleicht war auch ein bisschen Fremdschämen dabei.

Ich frage mich schon, wie man bei klarem Verstand nach Gesetzgeber und Kartellamt gegen Google rufen kann. Dazu wurde ja schon eine Menge geschrieben, das will ich gar nicht wiederholen, aber ich finde die Grundkritik schon deshalb Unfug, weil sich eben niemand bei Google finden lassen muss. Jeder, wirklich jeder, der im Internet veröffentlicht, kann das verhindern.

Wer sich aber in ein kostenloses Adressverzeichnis eintragen lässt kann doch hinterher nicht vom Verleger des Verzeichnisses, der mit dem Ding über Werbung Geld verdient, einen Anteil an den Einnahmen verlangen, weil der ja schließlich nur deshalb Geld scheffele, weil es Firmen gebe, die sich da eintragen lassen. Also beziehungsweise kann man das schon verlangen, aber wenn man nicht über Internet & Google schimpft würde man für solchen Unfug nur Kopfschütteln ernten.

Und das Kartellamt dürfte ein Problem bekommen, weil Google ja nicht über Zusammenschlüsse wächst, sondern einfach deshalb, weil die Leute die Produkte nutzen. Und ich muss, als jahrelanger Google-Verweigerer und -Skeptiker inzwischen einräumen, dass die Dienste - von Suche über Maps bis zu Mail und Docs & Co. - einfach besser sind als das, was die (durchaus vorhandenen) Konkurrenten da treiben. Das(!) ist ein Problem. Aber es ist wohl noch unrealistischer als nach dem Staat zu rufen, dass Verleger und DJV was Besseres als Google auf dem Markt platzieren, um Informationen im Internet zu finden.

Insgesamt würde ich aber sagen, dass Google im Internet weniger “Meinungsmonopolist” ist als mancher Verleger mit seiner Regionalzeitung in einigen Regionen Deutschlands.

Also, mein DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken hat, leider nicht zum ersten Mal, zum Thema Internet richtig großen Unfug gesagt und verbreitet, der nicht mal einem kleinen Faktencheck standhält.

Der Kollege Thomas Knüwer vom “Handelsblatt” hat daraufhin in seinem Blog seinen Austritt aus dem DJV erklärt und dazu aufgerufen, was Neues zu machen. Und es damit sogar in Mediendienste geschafft. Ich muss zugeben, ich fand die Idee erstmal auch sympathisch, dem verschnarchten DJV die rote Karte zu zeigen.

Aber dann habe ich mich doch anders entschieden.

Zum einen bin ich im DJV, weil er eine Gewerkschaft ist. Ich bin froh, wenn ich ihn nicht wirklich brauche, weil das heißt dann, dass es wenig bis keine Probleme gibt. Und ich zahle dennoch (mehr oder weniger) gerne dafür, weil nur so eine solidarische Einrichtung funktionieren kann. Sowas funktioniert leider nur mit einem gewissen Apparat einigermaßen zuverlässig. Manche Kritik am DJV ist auch insofern ungerecht, weil sie eher am vertretenen Klientel liegt. Journalisten neigen nun mal nicht dazu, sich zu organisieren und gemeinsam etwas zu machen, sie sind Individualisten die glauben, alles besser zu wissen. Und zwar jeder.

Zum anderen bin ich mir aber auch nicht sicher ob dieses, “die verstehen das Internet nicht, jetzt machen wir mal was eigenes” wirklich hilft. Das erinnert mich an die Piratenpartei, die als Reaktion auf die Internetsperren und das offensichtliche Nichtverstehen und Nichtverstehenwollen der etablierten Parteien einen regen Zulauf bekommen hat. Auch da hatte ich große Sympathien - und dann zeigte sich, dass die junge Partei doch eine recht offene Flanke nach rechts hatte. Und für mich stellt sich da die Frage: Welchen Stellenwert nimmt die Positionierung zum Web, zum Datenschutz etc. für mich ein, verglichen mit Positionierungen zu Rechten, aber auch zur Energiepolitik oder zur Außenpolitik?

Und ähnliche Fragen stelle ich mir auch bei einem Internet-DJV. Vielleicht, das ist ja noch nicht ausgemacht, würde ein solcher Verein meine Haltung zu Google, Onlinemedien und dem Internet als Ganzem besser widerspiegeln und vertreten. Aber reicht das? Fehlt da nicht der Gedanke eines solidarischen Zusammenschlusses, einer klassischen Gewerkschaft, so schlecht der schon jetzt beim DJV verwirklicht ist? Schwächst man damit eine schwache Organisation nicht noch weiter, ohne wirklich etwas vergleichbares aus dem Hut zu ziehen? Und kann es die Antwort sein, dass die Internetnutzer die Internetausdrucker einfach immer alleine lassen und hoffen, selbst am Ende die Stärkeren zu werden?

Weil für mich im Moment die Antwort auf diese Fragen eher “Nein” ist, bleibe ich im DJV. Aber ich würde mir wirklich wünschen, dass dort an der Bundesspitze die alte Journalisten-Regel wieder Einzug hält, eine Sache erst zu recherchieren, bis man sie verstanden hat, und dann darüber zu schreiben. Das sollte auch für Kommentare gelten. Und für Pressemitteilungen.

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