Piraten an Bord

Ich glaube, die Piratenpartei hat eines schon geschafft: Sie ist in der Parteienlandschaft angekommen, man kann ihren Namen benutzen, ohne viel erklären zu müssen.

Geadelt hat die Piraten heute die “Berliner Zeitung”, die auf ihrer Seite 1 titelt: “Zypries fordert Freiheit im Internet” (Link zur Meedia-Titelbildergalerie)

Gut, da könnte man jetzt fragen, warum die SPD-Ministerin das der Zeitung erzählt und nicht lieber ihren Parteifreunden, bevor die praktisch komplett mit Mann und Maus dem Von-der-Leyen-Vorschlag für eine Internet-Zensurinfrastruktur zugestimmt haben. Aber um Frau Zypries und die internetblöden Sozialdemokraten soll es hier ja nur am Rande gehen.

Interessanter ist, dass die Kollegen eine Aussage einer Bundesministerin in die Schlagzeile nehmen und darunter, in der Unterzeile, folgenden Satz schreiben: “Lob von der Piratenpartei”.

Ich kann mich an die Äußerungen eines nicht ganz unbedeutenden SPD-Mannes erinnern, der vor einigen Wochen im Gespräch noch die Piratenpartei mit den “Grauen Panthern” verglichen hat. Ich kann mich allerdings an keine Seite-1-Schlagzeile einer großen Zeitung erinnern, die eine Minister-Äußerung mit “Lob von den Grauen Panthern” ergänzt hätte. Die Leute hätten wohl gesagt, “Graue Panther”? Wer ist denn das? Und selbst wenn sie’s gewusst hätten, hätten sie sich wohl gefragt, ob es nicht kompententere Kommentatoren des politischen Geschehens gegeben hätte als ausgerechnet die Seniorenpartei.

Für die Piratenpartei scheint damit, zumindest in diesem Wahlkampf, zu gelten, dass sie bekannt sind. Und dass sie beim Thema Internet sowas wie Expertenwissen mitbringen. Eine Art Richtlienienkompetenz im Parteienwettstreit. Und da kann ich nur sagen: das freut mich dann doch, trotz meiner Kritik an den Piraten nach der offenen rechten Flanke.

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