7 Gedanken zu den Piraten

  1. Ich habe - trotz meiner Kritik - tatsächlich immer noch überlegt, ob ich nicht bei der nächsten Wahl der Piratenpartei meine Stimme geben sollte. Ich halte das Thema Internet und Zensur (im allgemeinen) für so wichtig, dass ich mir vorstellen könnte, dafür auch eine Ein-Punkt-Partei ohne realistische Chance auf den Einzug ins Parlament zu wählen.

  2. Funktionäre einer Partei, die bereits ein echtes Problem mit einem Holocaust-Zweifler und -Relativierer in Amt und Würden hatten, sollten sich mit diesem Thema einmal näher beschäftigen. Wenn aber stattdessen ein stellvertretender Parteivorsitzender der “Jungen Freiheit” ein Interview gibt, dann ist das das Gegenteil davon. Vor allem, wenn er danach noch naiv-offen bekennt, er habe die Zeitung überhaupt nicht gekannt. Selbst von Vertretern einer Ein-Punkt-Partei erwarte ich sowas wie eine gewisse Allgemeinbildung für das politische Alltagsgeschäft. Mal angenommen, so jemand kommt tatsächlich mit meiner Unterstützung ins Parlament - was kennt der denn noch alles nicht und sagt hinterher, sorry, wusste ich nicht.

  3. Wenn während der Autorisierung Zweifel an der Publikation aufkommen, dann ist es vielleicht für den zweiten Kassierer eines Karnickelzüchtervereins ok, einfach mal so zu entscheiden, was man jetzt macht. Aber als Parteifunktionär wäre es doch vielleicht ganz gut, spätestens in diesem Moment mal Leute zu fragen, die sich mit sowas auskennen. Hey, über dieses moderne Internet, Email, Chat, Twitter und so, damit soll man sogar unglaublich schnell kommunizieren können. Sagt man so.

  4. Gerade wer gerne verächtlich über die Generation der Internet-Ausdrucker spricht und sich lustig macht (oft zu Recht), sollte dafür sorgen, dass er sich bei Nicht-Internet-Themen nicht wie der letzte Depp benimmt.

  5. Und manchmal sind ja die Reaktionen nach einem Fehler die erhellendsten. Und während der Interviewte selbst ja wenigstens sagt, es sei ein Fehler gewesen und er würde es nicht wieder tun, gibt es wortgewaltige Reaktionen der Basis und Anhängerschaft, die es total richtig finden, mit allem und jedem zu reden. Die grundsätzlich finden, rechts und links gebe es eh nicht. Und dass diese ganze Kritik sowieso nur Teil einer gemeinen Kampagne der etablierten Offline-Parteien sei, die den inzwischen total beängstigenden Gegner “Piraten” auf diese Weise klein kriegen wollen. Wagenburg-Mentalität at it’s best.

  6. Wahlentscheidungen treffe ich aber, wie viele andere auch, nicht nur anhand von konkreten Aussagen und Programmpunkten, sondern es geht auch um gesellschaftliche Grundüberzeugungen. Und während ich mich bei den Sachthemen bei den Piraten weitgehend wiederfinde, trifft das für diesen wichtigen Bereich eben nicht zu.

  7. Man darf einen Fehler machen. Man darf sogar zwei Fehler machen. Aber nicht den gleichen Fehler in so kurzem Abstand hintereinander.

Tags
#Bundestagswahl #Links #Piraten #Piratenpartei #Rechts #Wahlkampf
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