Limitierte Sparkasse

Erstmal die gute Nachricht: Das Geld der Kunden bei der Berliner Sparkasse ist ziemlich sicher, ziemlich sehr sicher.

Die schlechte Nachricht: Ob das für eine globale Finanzkrise gilt ist damit nicht beantwortet, diese Sicherheit bezieht sich vielmehr auf den Zugriff auf das Geld durch - den Kunden selbst.

Wer nämlich bei der Berliner Sparkasse sein Konto online führt (und dafür, nur am Rande, anders als bei anderen Instituten sogar bereit ist, eine Gebühr zu bezahlen) und dann mal eine höhere Überweisung tätigen will, zum Beispiel 10.400 Euro, der wird feststellen, dass seine Kontoführungssoftware sagt: “Auftrag nicht ausgeführt.” Und das obwohl doch die notwendige Tan per SMS eingegangen und korrekt eingetippt ist. Ein Softwarefehler?

Auf der Website der Berliner Sparkasse kann man ja auch Überweisungen ausführen. Das selbe Spiel nochmal. Wieder ein Fehler - diesmal aber mit Erklärung. Das Limit sei überschritten. Limit? Auf dem Konto liegt doch viel mehr Geld. Auf der Internetseite findet sich dann aber doch ein Hinweis, dass beim Onlinebanking ein Limit von 10.000 Euro pro Tag und pro Transaktion eingestellt ist.

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Das steht sicher auch irgendwo im Kleingedruckten, aber wer liest sowas schon?

Also mal bei der Hotline anrufen, wird ja sicher gehen, ist ja mein Geld. Doch die Auskunft: Das Limit lässt sich nur in der kontoführenden Filiale bei der eigenen Kundenberaterin erhöhen. Wie bitte? Das sei eben so - und manche Filialen hätten am Samstag ja auch auf. Der Ärger wächst, vor allem, weil da nicht ein Ton des Bedauerns, der Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten mitschwingt, sondern dem Kunden gesagt wird: So ist das eben. Mit Deinem Geld. Wenn es bei uns ist. Toller Tipp am Rande noch: Ich solle doch heute einen Teil des Geldes überweisen und am nächsten Tag den Rest. Die Außenwirkung eines solchen Zahlungsverhaltens beim Verkäufer mag ich mir lieber nicht vorstellen, vielleicht denkt er aber auch nur: ach, wieder so ein Sparkassen-Kunde. Trotzdem: Nein danke.

Da die Filiale mit meiner Beraterin weiter weg ist gehe ich eben zur nächstgelegenen Filiale in der Schönhauser Allee, die tatsächlich seit Kurzem Samstag geöffnet hat. Wenn ich da stehe, mich ausweisen kann, dann wird sich dieses Limit, das mir den Zugriff auf mein Geld verwehrt ja wohl ändern lassen.

Doch das Ansinnen wird abschlägig beschieden. Das könne, wie einen Kreditantrag, nur meine Kundenberaterin bearbeiten. Der Hinweis, dass bei einem Kredit ja auch ich was von meiner Bank will, in diesem Fall ich aber eigentlich nur Zugriff auf das haben möchte, was mir gehört, wird damit gekontert, dass das aber nun mal so sei und sie, die Dame hinter dem Schalter Stehtisch, ja auch nichts dafür könne.

Endgültig auf die Palme bringt mich dann der Hinweis, dass das alles ja kein Problem sei, weil ich sei ja jetzt hier und ich könne eine Überweisung auf Papier ausfüllen, da ginge das, und ausnahmsweise würde dieser papierene Vorgang auch keine Gebühr kosten. Den Hinweis, dass das Problem schon sei, dass ich jetzt am Samstag in dieser Filiale stehe und schon seit mehr als einer Stunde versuche, eine lumpige Überweisung auszuführen, verkneife ich mir. Vermutlich hätte man bei der Berliner Sparkasse dafür ohnehin nur ein Achselzucken übrig.

Die Überweisung wird entgegengenommen und mir wird, mit Hinweis, dass man mein verärgertes Auftreten ja wirklich nicht verstehe, noch ein schönes Wochenende gewünscht. Was ich gerne zurückgebe. Wobei mir ein wenig, selbst geheucheltes, Bedauern für meine Unannehmlichkeiten doch gefehlt hat, statt dieser reinen “das ist eben so, kann ich doch nix für, was wollen Sie eigentlich?”-Attitüde. Vielleicht bin ich da einfach zu konservativ, so von wegen Kunde ist König und solche antiquierten Sprüche.

Erst draußen fällt mir auf: Die Papierüberweisung wurde einfach so entgegengenommen, einen Ausweis von mir wollte überhaupt niemand sehen, die einzige Legitimation für diese Über-dem-Limit-Überweisung ist meine krakelige Unterschrift. Und das soll jetzt sicherer sein als Online-Banking mit SMS-Tan? Wahrscheinlich auch nur in der Gedankenwelt der Berliner Sparkasse. (Wobei ich mal gespannt bin, wann der Auftrag jetzt ausgeführt wird…)

Und da musste ich an eine Episode vor ein paar Wochen denken, als wir, vor dieser Filiale an der Schönhauser Allee stehend, von einer offenkundig ausländischen Studentin mit ihren Eltern angesprochen wurden, ob wir nicht eine Commerzbank oder Deutsche Bank in der Nähe wüssten, sie sei neu in Berlin für ein Auslandssemester und brauche ein Konto. Wir empfahlen ihr dann, vielleicht doch die Sparkasse in die engere Wahl zu nehmen, die hätte schließlich viel mehr Filialen und Geldautomaten in der Stadt und sicher sei das Geld dort auch. Ihre Antwort: Sie sei schon drin gewesen, aber man habe ihr gesagt, heute sei so viel los und so wenig Mitarbeiter da, da könne man jetzt kein Konto eröffnen. Sie solle doch ein anderes Mal wiederkommen.

So gesehen: Wäre die Berliner Sparkasse ein AG, müsste man jetzt wohl eine klare “sell”-Empfehlung geben. So wird sie sich halt, wie so viele Behörden, einfach irgendwie weiter durchwursteln. Und, ja, ich bin nur noch da, weil meine Kundenberaterin wirklich fit ist und ich mich da gut aufgehoben fühle. Aber, und das ist jetzt ein Versprechen, sollte die mal nicht mehr da sein, dann werden bislang 25 Jahre Sparkassen-Kundschaft bei verschiedenen Instituten garantiert der Vergangenheit angehören.

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#Überweisungslimit #Berliner Sparkasse #Onlinebanking #Servicewüste
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