Einmal Lämpchenwechsel, bitte!

Vor einer Woche habe ich in der “Märkischen Allgemeinen” eine Glosse über meine Auto-Probleme geschrieben:

Ein winziges Detail Andreas Streim über den Wunsch, den Autokonstrukteuren mal die Ohren lang zu ziehen

Die Autoindustrie hat es nicht leicht. Jahrelang wurden die Blechkarossen gerne genommen und für PS-Hochzüchtungen und elektronischen Schnickschnack gelobt – und dann: Peng! Liebesentzug. Och nööö, nicht ökologisch. Und alles viiieeeeel zu groß.

Deshalb sei es hier gesagt, liebe Opelaner, Renaultesen & Co.: Das habt ihr nicht verdient, dass man euch dafür die Ohren lang zieht. Nein, dafür nicht. Aber dafür, dass ihr uns für blöd verkauft. Da steht in der tollen Bedienungsanleitung fürs neue Familienauto fein aufgemalt, wie man das Scheinwerferlämpchen wechselt. Kein Ding, denkt man. Nur dumm, dass sich beim Öffnen der Motorhaube ein Detail bemerkbar macht, dass in der Papierskizze mal eben fehlt – nämlich dass sich unter jener tatsächlich ein Motor befindet. Und der, tja, verhindert leider, dass man an die Beleuchtungsanlage rankommt.

Wäre eine Idee, um dem kränkelnden deutschen Handwerk zu helfen. Wenn sich die Glühbirne, äh, Energiesparlampe zu Hause nur noch mit Hilfe eines Fachmanns wechseln ließe, könnten die sich vor Aufträgen nicht mehr retten. Vielleicht haben die Autobauer aber auch eine ganz andere Hoffnung: Wenn das Lämpchen durchgebrannt ist, lässt der Kunde einfach abwracken und kauft ein neues Auto. > >

Ein paar Jahre lang hatte ich einen Renault Clio. Abgesehen davon, dass die Frontbeleuchtung gefühlt alle drei Monate ausgefallen ist, war der Lämpchenwechsel immer eine Tortur. Ich hatte das ja hier mal beschrieben, wie ich mir vorgestellt habe, den Ingenieur, der das verbockt hat, mal ein bisschen mit dem Gesicht über das scharfkantige Metall Motorinnenraum zu ziehen.

Jetzt habe ich einen Renault Megan Grandtour - und obwohl das Handbuch zum Thema Lämpchenwechsel praktisch identisch mit dem im Clio ist, sieht das Problem noch ganz anders aus: Es ist schlicht unmöglich, an die im Handbuch angezeichneten Orte zu kommen, ohne den Motor auszubauen.

Meine Werkstatt hat das jetzt für mich erledigt - und gleich beide Seiten gewechselt. Kostenpunkt: 70 Euro. Vielen Dank, Renault!

Ich habe mal eine Anfrage auf der Renault-Website hinterlassen. Mal sehen ob sie antworten - und was:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fahre einen Renault Megane Grandtour und habe mich sehr über die Darstellung im Handbuch gefreut, wie man eine ausgebrannte Glühbirne für die Frontbeleuchtung wechselt. Ich habe mir sogar so eine H7 Birne in der Tankstelle gekauft. Während bei meinem alten Clio ein Wechsel möglich war, auch wenn man sich dabei an den Motorteilen die Hand aufgerissen hat, ist selbst das im Megane unmöglich. Ohne Ausbau von Teilen des Motors kann man die Lampen gar nicht erreichen. Meine Werkstatt hat das jetzt erledigt, für 70 Euro. Ich würde gerne wissen: Wer hat sich eine solche Konstruktion ausgedacht, bei der man an Verschleißteile gar nicht rankommt? Und warum wird im Handbuch nicht gesagt, dass man da gar nicht rankommt, sondern eine Fiktion ohne Motor aufgezeichnet?

Mit freundlichen Grüßen, Andreas Streim - Journalist -

P.S. Ich werde Ihre Antwort in meinem Blog zum Thema veröffentlichen: https://www.streim.de/2010/01/24/einmal-laempchenwechsel-bitte/ > >

Tags
#Auto #Designfehler #Lämpchenwechsel
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