It's Copy&Paste, stupid!

Ich habe Helene Hegemanns Roman, oder den Roman, den Helene Hegemann zusammengestellt hat, nicht gelesen. Ein Kollege von mir hat es getan. Die Debatte, die aus dem Plagiatsvorwurf entstanden ist, finde ich aber viel interessanter als es so eine Geschichte sein kann.

Mein Kollege hat sich auch damit beschäftigt, und er schreibt davon, dass Hegemann eben Samples nutzt, wie das in dem Milieu, in dem sich eine 17-Jährige bewegt, heute üblich sei. Samples seien gar eine “Respektbezeugung”, was wir Erwachsene nicht verstehen könnten.

Auch das Internet lebt heute vom Samplen, vom Neuzusammenfügen von Inhalten, von Mashups. Doch ein entscheidender Unterschied besteht meiner Meinung nach zwischen dem dreisten Gedankendiebstahl und Inhaltsklau und dieser neuen Form des Umgangs mit Dingen - nämlich dass man den Urheber, den, dem man angeblich Respekt bezeugt, auch nennt. Und nicht erst, wenn der sich meldet und beschwert.

Wer das Plagieren mit der Sharing-Kultur in einen Topf wirft und umrührt, der schadet dem wirklichen kreativen Umgang mit fremden Inhalten, der natürlich die Originalurheber allesamt nennt. Aber ich vermute mal, das ist Frau Hegemann, Ullstein und den meisten Feuilletonisten ziemlich egal.

Deshalb gefällt mir der gewohnt scharfzüngige und ein bisschen böse Text von Don Alphonso in der Blogbar dazu auch viel besser (auch wenn er so wohl nicht in einer Zeitung stehen könnte, tja). Und darunter ein Kommentar, der einen Teil des Problems zusammenfasst:

Folgendes würde ich gerne mal wissen: Angenommen, Airens Autorschaft wäre unerkannt geblieben und ein Blogger hätte die Heroinszene wortwörtlich kopiert und/oder in einem eigenen Buch als eigenen Text ausgegeben?

Was hätte Ullstein gemacht? Verständnis für den jungen Mann geäußert, der mit der “Sharing-Kultur” des Internet großgeworden ist? > >

Und so wie es aussieht, war das Abschreiben im Debütroman auch nicht das erste Mal, offenbar ist auch eine früher veröffentlichte Kurzgeschichte, nun ja, etwas mehr als gesampelt aus einem Film, wie unter anderem “Die Welt” schreibt.

P.S. An dieser Stelle noch ein etwas älterer Twitter-Beitrag von mir zum Thema: “These: Wenn Frau #Hegemann ein pickliger dicker Junge wäre, würde das Feuilleton die Abschreiberei nicht durchgehen lassen.”

Tags
#Feuilleton #Hegemann #Plagiat #Sharing
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