Die Street View Hysterie

Leider mit einem Tag Verspätung der Hinweis auf meinem Kommentar in der “Märkischen Allgemeinen” zum Dauerbrennerthema Google Street View, das ja sogar ein ganzes Bundeskabinett beschäftigt.

An jeder Ecke eine Gefahr

Die Kritik an Google Street View nimmt geradezu hysterische Züge an. Den Dienst, bei dem die Straßen aller deutschen Städte abfotografiert werden, gibt es längst in anderen Ländern. Ohne dass es dort vermehrt zu Einbrüchen oder Stalker-Attacken gekommen wäre, wie uns Politiker glauben machen wollen. Fakten wie etwa, dass Google keine Live-Bilder liefert, sondern Monate alte Fotos, auf denen Gesichter unkenntlich sind, dringen oft gar nicht mehr durch das Gequassel. Typisch deutsch, an jeder Ecke eine Gefahr. Dabei könnte man neben dem privaten Nutzen als besserem Stadtplan auch wirtschaftliche Chancen sehen. Etwa dass Tourismus-Werber die von Google geschenkten Bilder zur weltweiten Vermarktung ihrer Region einsetzen dürfen. Der parteipolitisch motivierte Kampf um das Recht an der eigenen Hausfassade wirkt zudem unglaubwürdig, wenn zugleich US-Behörden unkontrolliert europäische Flugpassagierdaten und Kontobewegungen sammeln, die Regierung mit Elena eine Mega-Beschäftigtendatenbank anlegen wollte oder Datenschützer angesichts des Wildwuchses an privater Videoüberwachung resignieren. Darüber zu diskutieren wäre aber unbequemer, als mit dem Finger auf Google zu zeigen und „haltet den Daten-Dieb“ zu rufen.

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