Mimosenjournalismus

Im Netz gibt es ja den hübschen Begriff des Bratwurstjournalismus - uninteressante, schlecht geschriebene Geschichten in lokalen Tageszeitungen ohne Nachrichtenwert.

Jetzt habe ich hier direkte Bekanntschaft mit dem Mimosenjournalismus gemacht. Den kennt man sonst von Kollegen, die in Kommentaren und Analysen gerne vernichtende Urteile über ihren Berichterstattungsgegenstand fällen, es aber nicht ertragen können, wenn ihnen selbst gegenüber Kritik geäußert wird.

Hardy Prothmann hat eine viel zitierte Polemik gegen Tageszeitungsredakteure geschrieben. Obwohl ich den Autor bisher in gedruckten Interviews, Geschichten und im Netz als interessanten Ideengeber, der manchmal etwas übertreibt, erlebt habe, hat mich dieser Text richtig geärgert. Ich halte ihn für überzogen, gelinde gesagt. Ich habe eine Antwort verfasst. Die hat mir das zweifelhafte Vergnügen einer Diskussion mit dem Autor auf Google+ eingebracht. Und da wird mir gesagt:

Kleiner Tipp - ich würde an Ihrer Stelle nochmal über gewisse Formulierungen genau nachdenken. Das könnte von Vorteil sein. Ich sehe nämlich nicht, dass ich das, was Sie mir unterstellen, geäußert habe. Ich gebe Ihnen ein wenig Zeit, sich Gedanken zu machen - auch wenns Ihnen vielleicht schwer fällt.

Die Frage, was denn falsch sei, damit man darüber diskutieren könne, wurde nicht beantwortet. Stattdessen

Von meiner Seite aus gibt es kein Interesse an einer Diskussion mit Ihnen. (…) Ich habe Ihnen einen freundlichen Hinweis gegeben, es ist an Ihnen, ob Sie darauf reagieren.

Und final, auf den Hinweis, dass ich eigentlich weder Rätselraten noch Drohungen besonders toll finde, der Satz

Herr Streim - drohen geht bei mir anders. Seien Sie froh, dass ich Ihnen bislang nur einen Hinweis gegeben habe. Nutzen Sie ihn.

Warum musste ich nur beim letzten Satz an das “mafiose System” denken, das in dem Ursprungstext in Zusammenhang mit den Redakteuren gesehen wird? Ich grübele immer noch, ob das ein Zitat aus “Der Pate II” ist.

Ich habe nach wiederholter Lektüre meines Ursprungstexts überlegt, alles einfach schulterzuckend so zu lassen. Oder den Text komplett zu löschen - weil ich einfach keine Lust auf eine solche (juristische?) Auseinandersetzung habe. Ich mache das hier zum Spaß (bzw. aus Ärger), nicht um Geld zu verdienen.

Ich habe mich gegen beide Optionen entschieden. Und den Text ein wenig überarbeitet, so dass die Erwähnung des nichtdrohenden Polemik-Autors auf ein absolutes Minimum zurückgefahren wurde. Und damit ist die Sache für mich jetzt auch erledigt. So wichtig ist dieser Ursprungstext nun auch wieder nicht, dass man übermäßig viel Lebenszeit damit verschwenden sollte.

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