Reschpeckt!

Ich weiß gar nicht, ob man das eigentlich schreiben darf, so von wegen aus Respekt gegenüber der Demokratie im Allgemeinen und dem Amt im Besonderen. Aber mir kommt dieses Gerede vom “Respekt gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten” inzwischen so vor, wie das Geschwätz der hosengeschwulsttragenden und baseballbecappten Jugendlichen, die “Reschpeckt!” einfordern für sich und ihr auf den Boden Rotzen und Rumrülpsen in der S-Bahn.

Respekt ist etwas, was man sich selbst verdienen muss - und was man nicht einfach dadurch bekommt, das man einen bestimmten Job oder ein bestimmtes Amt übernimmt oder angedient bekommt.

Das Amt des Bundespräsidenten verdient Respekt, weil es von respektablen Persönlichkeiten bekleidet wurde und Respekt einflößend geführt worden ist. Wären diese Vorgänger des amtierenden Bundespräsidenten aber ebenso durch die Welt gezogen wie er, dann hätte es diesen Respekt nie gegeben.

Der Bundespräsident hat vor Weihnachten gesagt, er habe sich nicht gradlinig verhalten. Ich finde, an dem Punkt hat er nicht die Wahrheit gesagt. Er hat sich sehr gradlinig verhalten - und zwar auf eine Weise, dass er keinen Respekt mehr einfordern darf, sondern höchsten noch “Reschpeckt!” verlangen kann. Aber mehr als betretenes Wegschauen und das Wechseln der Straßenseite wird er, ebenso wie die testosterongeschwängerten Jugendlichen, wohl kaum mehr bekommen.

Nächster Beitrag
Vorheriger Beitrag