Nie mehr Automaten, nie mehr Kleingeld

Seit gestern bin ich Touch&Travel;-Nutzer. Und ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert. Ich nutze ja seit Jahren Smartphones und “Apps”, lange bevor Apple den Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch überführt hat. Aber endlich scheint die Zeit gekommen, dass die Software wirklich tut, was man von ihr erwartet - und das alltägliche Leben erleichtert.

Touch&Travel; ist im Prinzip nichts anderes als der Fahrausweis für Tram, Bus, S-Bahn und Bahn auf dem Handy. Statt Kleingeld aus der Geldbörse zu fingern (das nie da ist, wenn man es braucht), sich am Automaten anzustellen (der immer von touristischen Reisegruppen belagert wird) und genau dann dran zu sein, wenn die S-Bahn schon in den Bahnhof rollt, kauft man sein Ticket bequem am eigenen Handy.

Beim Einsteigen wählt man die Haltestelle, die per GPS schon ziemlich genau vorgeschlagen wird. Und wenn man aussteigt, meldet man sich ab - das Programm berechnet dann den Fahrpreis. Fährt man mehrfach am Tag, so erkennt die Software, wenn ein Tagesticket günstiger wäre und kauft das - sozusagen rückwirkend. Eine feine Sache für Gelegenheitsfahrer und Monatskarten-Nichtbesitzer.

Ein bisschen verwirrend ist die Frage nach dem Geltungsbereich in Berlin. Während es auf der Website ausdrücklich heißt, es sei nur der Tarifbereich AB abgedeckt - was Potsdam (liegt im Bereich C) ausschließen würde - ist bei Ansicht des Streckennetzes die Brandenburger Landeshauptstadt mit dabei:

Allerdings wird sie hier in den Tarifbereich B verlegt.

Was tun? Einfach ausprobieren. Das Ergebnis ist nach dem Abmelden am S-Bahnhof Babelsberg der Hinweis, der Fahrpreis könne kurzfristig nicht berechnet werden. Das lässt Schlimmes befürchten - doch am Ende wird für die Fahrt vom S-Bahnhof Bornholmer Stra0e 3 Euro abgebucht, der Preis einer normalen ABC-Fahrkarte.

Bei der Rückfahrt melde ich mich am Bahnhof Zoo an und an der Tramhaltestelle Björnsonstraße wieder ab und es wird sofort der reguläre AB-Preis von 2,30 Euro angezeigt.

Gleich bei meinem ersten Test bin ich übrigens kontrolliert worden, in der U-Bahn. Erstmal Schrecksekunde, denn als ich die App öffnen wollte gab es natürlich keinen Netzempfang und für lange, lange Sekunden dreht sich nur der “Bitte Warten”-Kreis auf dem Display des Handys. Dann der Hinweis: “Kein Netz”. Aber den Button “Kontrolle” kann man dennoch wählen - und es wird ein neckischer QR-Code angezeigt, den der Kontrolleur dann wohl irgendwie einlesen muss. Müsste. Denn in meiner U-Bahn schaute er nur kurz und leicht irritiert auf das Handy und winkte dann lächelnd ab. Auch gut.

Was aber definitiv für die App noch fehlt: Die Möglichkeit, mehr als ein Ticket zu kaufen. Wenn wir zu zweit fahren, dann würde ich gerne einfach beide Tickets über die Touch&Travel-App; kaufen, nicht nur meins. Denn so muss man ja doch wieder am Automaten anstehen, Kleingeld suchen…

Tags
#App #ÖPNV #Bahn #Fahrkarte #Handy #VBB
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