Mit Kind muss man Taxis meiden

Ich fahre gerne Taxi. Es ist eine Dienstleistung, für die ich gerne bereit bin, Geld auszugeben - und bei der ich, da ich weiß, dass die Verdienste für die Fahrer in der Regel nicht sehr hoch sind, gerne auch ordentlich Trinkgeld gebe. Allerdings glaube ich zunehmend, dass es der Taxibranche - zumindest in Berlin - schlicht wirtschaftlich zu gut geht. Ich ertappe mich dabei, mir zu wünschen, dass es noch ein bisschen enger, knapper und schlimmer wird, damit vielleicht der Kunde und der Service doch mal in den Fokus kommt. Warum?

Seit fast genau drei Jahren ist mir das Taxifahren nämlich verleidet. Denn seitdem will ich öfter nicht mehr alleine oder wollen wir zu zweit fahren, sondern wir möchten gerne einen dritten Fahrgast mitnehmen. Mit Geburtstdatum 2009. Und wer daran denkt, ein Baby oder Kleinkind mitzunehmen, der kann sich auf etwas gefasst machen.

Zum Beispiel wenn man telefonisch ein Taxi für einen Zeitpunkt bestellt und bittet, ein Fahrzeug mit einem Kindersitz für einen fast Dreijährigen zu bekommen. “Also mit einer Sitzerhöhung”, ist dann die Antwort. Dann entspinnt sich in der Regel ein länglicher Dialog, in dem man erläutert, dass eine Sitzerhöhung zwar vielleicht für die Fahrer praktisch ist, aber leider dem Kind eher wenig Schutz bieten. Kann man zum Beispiel hier in der VCD-Broschüre (PDF) nachlesen und ich würde ja erwarten, dass Dienstleister in ihrem Kerngeschäft über ein paar Kenntnisse verfügen. Auch rechtlicher Art.

Irgendwo während dieses Dialogs fällt dann ein Satz in der Art von “wenn Sie meinen, aber wir machen das seit Jahren so”. Allerdings, so viel sei positiv eingeräumt, bekommt man dann sein Auto mit der gewünschten Ausstattung zur Wohnung geschickt. Und die Fahrer sind meist extrem zuvorkommend und freundlich, gerade die mit Kindersitzen.

Schwieriger wird es, wenn man am Bahnhof oder am Flughafen ankommt. Abgesehen davon, dass es hierzulande ohnehin keine Warteschlangenkultur gibt und ein Auf-Das-Fahrzeug-Zustürmen-Chaos gibt, gibt es auch niemanden, der die Warteschlange organisiert. Den man also bitten könnte, ein Taxi mit einem Kindersitz zu rufen, auf das man ja gerne ein paar Minuten warten würde. Die anderen Fahrer? Zucken mit der Schulter.

Oder erklären einem, wie heute Abend am Hauptbahnhof, dass man doch eine Sitzerhöhung habe - und auf die Erklärung, dass der Kleine zwar für sein Alter groß sei, aber noch lange, lange nicht groß genug für eine Sitzerhöhung, bekommt man gesagt: “Die meisten Eltern sind froh, wenn man sie mitnimmt.” Die Eltern sind also froh, dass ein Taxifahrer sie befördert, auch ohne passenden Sitz. Meine Gegenfrage: “Wieso sind die froh, es geht doch hier um eine Dienstleistung, für die man bezahlt?” Antwort: “Zur Dienstleistung gehört es dann auch, dass man es mit den Gesetzen und Regeln nicht so genau nimmt.”

Aber man kann ja auch an den Hauptbahnhof per Handy ein Taxi bestellen. Nach dem obligatorischen Dialog über den Sinn und Unsinn von Kindersitzen wird die Bestellung auch unwirsch aufgenommen. Dann kommt eine SMS. Wagen Nr xyz kommt in einer Minute. Und kommt nicht. Und kommt nicht. Und kommt nicht. Nochmal angerufen - nein, eine Bestellung liegt nicht vor, worum geht es denn? Wir sind dann mit der S-Bahn gefahren. Mit einem übermüdeten fast Dreijährigen.

Den Stellenwert von Kindern kann man ja auch gut an einer Smartphone-App wie myTaxi ablesen. Da kann man unter “Bestellotionen” eine ganze Menge angeben. Etwa dass es ein Umwelttaxi sein soll, dass man Kleintiere mitnehmen will oder dass man ein 5-Sterne-Taxi möchte. Aber eine voreingestellte Option zum Thema Kindersitze? Fehlanzeige. Und man ist versucht, den geringen Stellenwert von Kindern in dieser Gesellschaft zu beklagen - etwas, was man sich als werdender Vater vorgenommen hat, nie tun zu wollen. Aber das wird einem echt verdammt schwer gemacht.

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#Berlin #Gesetze #Kind #Kinder #Kindersitz #Sitzerhöhung #Taxi
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