Digitales Faksimile III - Schlimmer geht immer

Ich habe ja bereits hier über die absolut unterirdische “Berliner Morgenpost”-App geschrieben meine eher geringe Freude über die “Berliner Morgenpost”-App geschrieben (wobei es andere ja auch nicht viel besser können). Was ich nicht für möglich gehalten hätte: Dieses Stück Software ist sogar noch schlechter programmiert, als ich mir zunächst vorstellen konnte.

Es ist sicherlich schon schwierig, einen PDF-Viewer zu basteln, der kein vernünftiges Zoom unterstützt. Was für die Darstellung von Zeitungsseiten auf einem Nexus 7” Tablet irgendwie schon zwingend ist. Aber damit haben die Entwickler nicht mal ihre Bestleistung vollbracht.

Man kann die App nämlich nur mit bestehender Internetverbindung öffnen. Richtig gelesen: ohne Netz startet die App nicht. Das heißt, sie startet schon, aber dann kommt die sich drehende Warteanzeige, die nicht mehr verschwindet. Geht man zurück und öffnet die App erneut, so stürzt sie kommentarlos ab. Und dann kommt wieder die Warteuhr. Hintergrund: Offenbar wird krampfhaft versucht, das Titelbild der aktuellen Ausgabe zu laden. Und zwar ohne Rücksicht auf Verluste eine möglicherweise fehlende Datenverbindung.

Die App lädt

Das bedeutet aber auch: Man kommt unterwegs nicht an seine bereits heruntergeladenen E-Paper-Ausgaben heran, wenn man kein Netz hat. Die App ist dann völlig nutzlos, zum Beispiel in der U-Bahn. Nur, liebe App-Macher, wofür kauft man sich denn ein E-Paper? Sicher nicht, um es dann online only lesen zu dürfen. Dann kann ich wirklich angenehmer und günstiger einfach so im Netz surfen.

Ich bleibe dabei: Diese Android E-Paper-App nutzt bei der Morgenpost bestimmt niemand. Sonst wären solche eklatanten Designfehler vorher aufgefallen. Und man hätte sich nicht getraut, diese Software zu veröffentlichen. Das Schlimmste ist ja: Wer sowas unbedarf ausprobiert und von der technischen Umsetzung auf das Produkt digitale Tageszeitung schließt, der ist für andere oder künftige Apps verloren. Das tut man sich nur einmal an.

Ich bleibe deshalb dabei: Liebe Verlage, vergesst das E-Paper. Macht entweder vernünftige mobile Websites oder aber Apps à la Flipboard, die die Möglichkeiten des Mediums nutzen. Und Spaß machen.

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