Eilmeldungs-Terror

Ich habe ja viele Jahre als Tageszeitungsjournalist gearbeitet. Wichtiges Arbeitsmittel dabei: der elektronische Ticker der Nachrichtenagenturen, also das Computersystem, in das im Minutentakt die Agenturmeldungen einlaufen. Weil es da schnell mal unübersichtlich wird, bekommen Meldungen immer eine Priorität von der Agentur mit. Und das System beim Redakteur sorgt dafür, dass besonders eilige oder dringende Meldungen farblich und manchmal auch akustisch hervorgehoben werden.

Allerdings sind die Agenturen - aus gutem Grund - sehr zurückhaltend mit der Kennzeichnung “Eilt” oder “Dringend”.

Anders sieht es da bei den News-Apps auf dem Smartphone aus. Zwar nutze ich die SZ-App oder die Spiegel-App sehr gerne und bin auch froh, dass mir dringende Nachrichten à la Bombenanschlag in Boston auch entsprechend akustisch und optisch in den Alltag gespült werden. Aber ich würde mir da eine Zurückhaltung wie bei den Profis von den Agenturen wünschen. Ein Ergebnis der Champions League ist für mich genau so wenig Breaking News wie das Urteil eines italienischen Berufungsgerichts über Berlusconi, dem sicher bald ein weiteres Berufungsverfahren folgt.

Dieses aufdringliche Werben um meine Aufmerksamkeit wird am Ende also eher dazu führen, dass ich die Push-Benachrichtigungen ganz abschalte. Oder auf die App verzichte und lieber die nutze, die von Journalisten gemacht werden. Und nicht von vermeintlichen Vertriebsprofis.

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