Kein Mensch braucht 3D-Drucker

Heute im MediaMarkt gleich hinter dem Eingang eine große Freifläche mit Ausstellern zu “Neuheiten der CeBIT”. Ganz vorne: Zwei 3D-Drucker. Für 999 Euro kann man hier im Elektromarkt für jedermann die “Fabrik für Zuhause” mitnehmen.

3D-Drucker im MediaMarkt 3D-Drucker im MediaMarkt

Man kann getrost sagen, dass 3D-Druck gerade dabei ist, im Alltag anzukommen.

Typisch dürfte aber auch die Szene gewesen sein, die ich beobachten konnte: Vater mit zwei Jungs kommt vorbei, Jungs bestaunen das Gerät, das hinter Glas an einem Zahnrad aus rotem Kunststoff druckt. Junge: “Wie geht das?” Vater: “Da wird Plastik Schicht über Schicht aufgetragen.” Junge: staunt und schweigt. Vater: “Aber das ist Quatsch. Das braucht kein Mensch.”

Aktuell dürfte die Einschätzung zwar vielleicht nicht auf alle Menschen, aber so doch auf recht viele zutreffen. Wenn sich aber 3D-Drucker erst einmal weiter verbreiten und Unternehmen sich dies zunutze machen, dann könnte sich das schnell ändern. Was wenn ein bekanntes Einrichtungshaus, bei dem viele Kleinteile aus Plastik bestehen, diese Ersatzteile zum Download anbieten würde, so dass der Kunde sie sich bei Bedarf einfach zu Hause ausdrucken kann? Statt ins nächste Geschäft zu fahren, sich beim Service anzustellen, seinen Wunsch vorzutragen und dann ein winziges Teil für ein paar Cent Kosten mitzunehmen?

Oder wenn Anbieter von Gesellschaftsspielen nur noch eine Basisversion verkaufen und man dann Ergänzungen entweder kostenlos oder eben kostenplfichtig selbst ausdrucken kann?

Braucht kein Mensch? Genau das wurde über den PC gesagt. Über den klassischen Papierdrucker zu Hause. Über Scanner. Über das Smartphone. Und jetzt eben über 3D-Drucker. Wie bei allen diesen Entwicklungen gilt: Ja, die Geräte der ersten Generation sind nur etwas für Enthusiasten, für Freaks, für Nerds, für Bastler. Aber spätestens ab der zweiten oder dritten Generation werden die Dinge massentauglich - und plötzlich wundert man sich, was damit alles machbar ist.

Und das wird unser Leben gravierend verändern. Nicht nur das im Privaten, sondern auch die Industrie. Die “taz” hat dazu heute ein Interview veröffentlicht mit dem ILO-Experte David Seligson. Und der meint:

Sprechen wir hier nur über einzelne Branchen oder über mehr?

Es ist schon davon auszugehen, dass die Veränderungen sich im großen Rahmen bewegen, dass also nicht nur einzelne Branchen betroffen sind. Schon jetzt ist die Bandbreite groß: 3-D-Druck wird etwa für die Herstellung von Spielzeug genutzt, bei Schmuck und im Energiesektor, wie der Herstellung von Elektroaggregaten für Fahrräder.

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