Digital Resident

Digital Immigrant? Oder Digital Native? Oder Digital Irgendwas? Heute im Gespräch mit dem - jüngeren, natürlich - Kollegen ging’s um die Frage, wer sich wo wie im digitalen Raum des Jahres 2014 verortet.

Die Antwort ist eigentlich klar: Ich kann mich an eine Welt, die überwiegend offline war, erinnern. Ich weiß noch wie es war, Computerprogramme aus Zeitschriften abzutippen (sogenannte Listings) und die Begeisterung zu spüren, wenn nach 123x “ERROR …” irgendwann das Ganze lief. Und man dann mit ein paar kleinen Änderungen am ja vollständig vorliegenden Quellcode lustige Sachen machen konnte. Etwa die Spielgeschwindigkeit verzehnfachen.

Und ich weiß auch noch ziemlich genau was das für ein Gefühl war, als ich zum ersten Mal einen Akustikkoppler an meinem Computer hängen hatte und der sich in eine Mailbox einwählte. Und plötzlich etwas auf dem Monitor erschien von irgendwo da draußen.

Also bin ich ein Immigrant, auch wenn ich mich nicht so fühle, und sicher kein Native. Wikipedia sagt dazu auch klar:

John Palfrey und Urs Gasser ziehen mit 1980 als ältestem Geburtsjahrgang von Digital Natives in ihrem 2008 erschienenen Buch Born Digital eine noch deutlichere Grenze.

Demgegenüber stehen

Digital Immigrants sind mit diesen Techniken nicht von klein auf vertraut, sie adaptieren ihre Umwelt, um damit zu arbeiten. Als Kennzeichen bringt Prensky folgende Beispiele: Sie drucken eher eine E-Mail aus oder lassen sie sich von der Sekretärin ausdrucken. Sie bringen eher Leute physisch ins Büro, um ihnen eine Webseite zu zeigen, als dass sie nur die URL versenden. Um einen Text zu überarbeiten, drucken sie ihn vorher aus. Sie können sich nicht vorstellen, dass man, während man Musik hört oder Fernsehen schaut, lernen kann, weil sie es selbst nicht können, da sie es in ihren Jugendjahren nicht gemacht haben. Primär sind mit der Gruppe die Geburtenjahrgänge vor 1970 gemeint.

Moment mal: Vor 1970 geboren? Ab 1980 geboren? Und was ist mit den 10 Jahrgängen dazwischen? Digital Nowheres?

Ohnehin glaube ich ja, dass es Digital Immigrants gibt, die viel tiefer in unserer digitalen Welt verwurzelt sind als so mancher Native. Und auch innerhalb der Gruppen gibt es, glaube ich, sehr unterschiedliche Herangehensweisen an die digitale Welt. Insofern ist diese zweidimensionale Typologie, die sich irgendwie an Geburtsjahrgängen orientiert, doch eine ziemliche Krücke.

Viel besser gefällt mir da eigentlich die Unterscheidung zwischen Digital Visitors und Digital Residents. Sie setzt stärker am Handeln an, nicht am Alter.

Residents, on the other hand, see the Web as a place, perhaps like a park or a building in which there are clusters of friends and colleagues whom they can approach and with whom they can share information about their life and work. A proportion of their lives is actually lived out online where the distinction between online and off–line is increasingly blurred. Residents are happy to go online simply to spend time with others and they are likely to consider that they ‘belong’ to a community which is located in the virtual.

Insofern würde ich jetzt einfach mal sagen: Ich bin ein Digital Resident. Wahrscheinlich seit dem Tag, als der Akustikkoppler zum ersten Mal in meinem Zimmer quäkte. (Und hier ist übrigens auch ein schöner Text zur Generation 1970.)

https://www.youtube.com/watch?v=Fk0To_o6NxE

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#Akustikkoppler #Digital Immigrant #Digital Native #Digital Resident
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